Aufsatz 
Ueber den Aias des Sophokles / von Wilhelm Büchner
Entstehung
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Philoktet den Odysseus ähnlich zu behandeln!). DenWaffenstreit hat Euripides zwar nicht selbst umgestaltet, es ist aber klar, dass, wenn der Charakter des Odysseus einmal so verändert war, die Erzählung des Epos umgestaltet werden musste. Vermutlich hat die nach- klassische Tragödie diese Consequenz gezogen und in den Khetorenschulen ist die Sache popularisirt worden. Ueber die Art dieser Veränderung werden wir durch die Darstellungen belehrt, die bei Antisthenes*), Ovid') und Quintus Smyrnäus¹) vorliegen. Die Nachrichten über die Tragödien des Theodektes, Karkinos und Astydamas genügen dazu ebensowenig als die über die römischen Nachdichtungen. Bei den genannten drei Schriftstellern tritt die Beteiligung bei dem Kampf um die Leiche ganz zurück, und es handelt sich um die Frage: wer ist ναασς Hat Odysseus durch seine Klugheit oder Xias durch seine Tapferkeit am meisten genützt? Die beiden Gegner führen die Sache wie zwei XAdvokaten mit allen Chi- kanen und fortisque viri tulit arma disertus. Nur Quintus, der die Angaben über das, Epos vor sich hatte und sich doch die Gelegenheit den rhetorisch aufgebauschten Redekampf einzuschalten, nicht entgehen lassen wollte, hat den unglücklichen Versuch gemacht, die beiden Erzählungen zu verschmelzen. Er lässt nämlich Thetis bestimmen(V 125 ff.)

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50000.

Eine solche Bestimmung ist barer Unsinn. Denn es war ja möglich, dass der Retter der Leiche nicht der dotοᷣtos war. Man hat denn auch versucht an dem Vers zu conjiciren, aber das hiesse den Dichter verbessern. Auch in anderer PHinsicht ist die Darstellung des Quintus confus. Während nämlich bei Ovid der Streit vor den Heerführern entschieden wird, lässt Quintus unter dem Einflusse jenes Odysseeverses die beiden Helden ihre Trümpfe vor troischen Gefangenen ausspielen. Dem Aias wäre eine solche Thorheit noch zuzutrauen, aber der kluge Odysseus müsste seine Thätigkeit vor solchen Richtern ja gerade herabsetzen, da die Trojaner naturgemäss dem die Waffen geben, der ihnen am wenigsten geschadet). Für die Kenntnis, welche die Zeit des Quintus von den kyklischen Gedichten hatte, ist diese Partie übrigens sehr bezeichnend.

Auch der Verfasser der Deklamationen Aiac und'02b0Geòs scheint den Streit von troischen Gefangenen ausfechten zu lassen. Ich kann mir wenigstens die Eingangsworte Ich wollte, die Leute wären Richter, die dabei waren, als es Thaten galt nun sind diese fern, ihr aber seid Richter, obwohl ihr nichts wisst, nicht anders erklären). Denn der Sprecher redet von den Thaten seines ganzen Lebens: wie könnte er behaupten, die griechi- schen Heerführer wüssten davon nichts? Die Autorschaft des Antisthenes, die Blass jetzt erwiesen zu haben glaubt, wird dadurch wieder sehr in Frage gestellt. Denn ein Troerge- richt konnte nur jemand annehmen, der die kleine Ilias und die Athiopis nicht mehr las und deshalb den Odysseevers falsch verstand. Antisthenes war aber ein so guter Kenner des Epos, dass man ihm diesen Irrtum kaum zutrauen kann. Die übrigen groben Verstösse gegen das Epos(Erwähnung von Dingen, die im Epos erst auf die uönαœων iots folgten) könnten rethorische Mache sein, dies nicht.

Nach dem Gesagten kann es nicht Wunder nehmen, dass wir in der späteren mythogra- phischen Ueberlieferung nur Zerrbilder der epischen Darstellung vorfinden. So steht z. B. bei AXpollodor t*/ XEAEoS Xawο‿‿αν εεοε ρεοαναν υνπυννμιον) ax* αλααεᷣ νυοσ sᷣ AAA, Xias 12*˙50S l b?dvCGV T, TOG6Gy, 56 rtves, r u'O5ud OrOS at). Auf- fallender könnte erscheinen, dass wir Plato bereits im Bann der Auffassung Pindars schen. Er lässt nämlich seinen Sokrates den Aufenthalt im Hades preisen, da er dort mit Aias und Palamedes zusammentreffen werde zal el tis a⁵αοςα ν aAXa,, Stà olο, Ttu, dede,n s,). Aber Plato weicht auch sonst vom Epos ab: mit den Dorern nennt er z. B. den Nias un- verwundbar).

¹) J. Schmidt, Berl. Studien II 478 ff. ²) In Alag und ˙05 025 bei Blass, Antiphon p. 166 ff. ³) Metamorph. XIII I fl. ¹) Posthomer. V 125 ff.) So Philostrat Heroica p. 720. 6) So auch Blass. Attische Beredsamkeit II2 338.) Fragm. Sabbait. ed. Wagner N. Rh. Mus. 46 p. 181. ³) Apologie p. 41 b. ⁴⁹) Symposion p. 219 E.