Aufsatz 
Ueber den Aias des Sophokles / von Wilhelm Büchner
Entstehung
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Der Streit um die Waffen des Achilleus.

Aus dem Drama selbst ergiebt sich, dass die Rüstung des gefallenen Peliden von einem Gericht der griechischen Heerführer, das Agameranon und Menelaos leiteten, mit Stimmenmehrheit dem Aias ab- und dem Odysseus zugesprochen worden ist.¹) Kias fuhrt diese Niederlage auf Ränke der Atriden zurück(445 ff.), und Teukros ruft dem Menclaos zu

értns ³ 2ανντν μα,w¹⁰ο ορε 11⁷.

Der Beschuldigte antwortet auf diese sehr verschieden erklärten Worte

, ors Siναεααπν νον ενμν ˙εένςαἀ‿νν⁷. ²)

Hier kann mandieser Betrug(oder Fehler) wurde begangen schon um deswillen nicht übersetzen, weil Menelaos damit etwas zugäbe, was Agamemnon auf das Heftigste bestreitet). Ausserdem gebraucht Sophokles 2adeeda. im übertragenen Sinne nur von Personen, nie von Sachen. Aus diesem Grund ist auch die gewöhnliche Erklärungdies wurde vorcitelt, misslang zu verwerfen. Aias ist Subjekt. und es muss übersetzt werden vor den Richtern, nicht durch mich erlitt er diese Niederlage.

Aber nicht allein, wer die Worte so auffasst, sondern überhaupt jeder, der in saνρέαeνν nicht das Eingeständnis eines Betruges sieht, muss bestreiten, dass im vorhergehenden Vers der bestimmte Vorwurf enthalten sei, Menclaos habe die Richter beeinflusst oder ihr Urteil gefälscht. Denn ob Teukros sagtedu nast die Richter verführt oderdu hast einen Teil der Stimmsteine bei Seite geschafft oderdu hast den Kichtern täuschende Stimmsteine gegeben alle diese Erklärungen gehen um in jedem Fall wäre es thöricht zu ant- worten:Nicht ich, sondern die Richter haben das Urteil gefällt. Diese Antwort zeigt deutlich, dass sich Menelaos wenigstens bei nφαόνναοννςᷣ nichts Arges denkt. Was er sich dabei denkt, wird an einer späteren Stelle klar werden. Als Teukros darauf mit den Worten

oAA' Ay zaxXes XA,& d E petar vard den Verdacht, den er durch roοoοss schon andeuten wollte, deutlicher ausspricht(dass Menelaos beim Waffengericht irgend welche Teufelei verübt habe), weist Menelaos diese Insinuation zornig zurück: door eis dyay Lodnos Egta Tüw.

Die Sache liegt also so. dass Xias und Teukros allerdings an eine Tücke der Atriden, speziell des Menelaos, glauben, die Atriden aber sie mit aller Kraft in Abrede stellen. Wem sollen wir glauben? Aias und Teukros beweisen bei der Beurteilung ihrer Gegner nicht immer die nôtige Einsicht. Man denke an ihr verkehrtes Urteil über Odysseus. Dass es sich auch in dieser Sache um reine Vermutungen handelt, beweisst die Unbestimmtheit ihrer Anklagen. Unser Urteil würde anders lauten, wenn der Betrug der Atriden einen Bestandteil der Sage bildete, auf den Sophokles nur anzuspielen brauchte. Aber in keiner einzigen der litterarischen Darstellungen des Waffenstreites und in keiner einzigen Aeusse- rung über ihn wird des Aias Niederlage auf einen Betrug Ungerechtigkeit ist etwas Anderes zurückgeführt). Ja die auf dem Epos beruhenden Darstellungen auf den Vasen schliessen solche Manipulationen geradezu aus. Auf der Durisschale, die typisch ist, treten die Richter im Beisein des Aias und des Odysseus an eine Basis und legen die Stimmsteine nieder. Auf der Seite des Odysseus liegt eine grössere Anzahl, auf der dles Aias eine klei- nere, jener blickt froh, dieser verhüllt sich trauernd'). Schliesslich wie könnte Menelaos bei Sophokles das verfängliche nonotbs harmlos auffassen, wenn er ein böses Gewissen hätte?

Dass Sophokles auf die Frage, womit Aias und Odysseus ihre Ansprüche begründeten, und was den Entscheidungsgrund abgab, keine befriedigende Antwort giebt, erkennt man aus

¹) v. 1239 ff. 445 ff. 572. ²) 1135 f. ³) 1235 ff.) Bei Pindar(Nem. VIII 4s kann ονυρσαμινοι εν³ʃ⁶ϑνρσοοτ nurin heimlicher Abstimmung bedeuten, nicht das, was Dissen daraus gemacht hat. Wenn Pindar an einen Betrug gedacht hätte, so würde er nicht in demselben Atem die Niederlage des Aias auf den Neid der Richter und die

Redegewandtheit des Odysseus zurückführen(v. 40 ff.)) Wiener Vorlegblätter VII, vgl. Robert Bild und Lied 218 ff.