Aufsatz 
Die Pädagogik des Isokrates
Entstehung
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in.

der sich durch Ueberhebung und Einseitigkeit den grössten Theil seiner Zeitgenossen und seines Volkes entfremdet hat.

Fragen wir nun, wie sich Isokrates, der nun schon nicht mehr als besonders berechtigt oder befähigt gelten kann, als pädagogischer Reformator aufzutreten, seine rednerische Unterweisung in das ‚Ganze der Volkserziehung und des Volkslebens hineingedacht hat, so bleibt er uns selbst jede nähere Antwort schuldig; sie lässt sich aber aus seinen Anschauungen ableiten.

Vorerst ist klar, dass seine rednerische Schule nur für einen ganz geringen Bruchtheil der Bürger offensteht. Ganz abgesehen von der Höhe des Honorars, ist Isokra- tes Unterricht für die Masse des Volkes eine Unmöglich- keit. Er soll auch gar nicht für dieses bestimmt sein. -Isokrates will nicht das Volk in seine Schule nehmen, sondern die Leiter des Volkes erziehen: von denen wird die Besserung dann ausgehen.

Hätte er als Staatsmann oder als Philosoph und nicht als Schulmeister seine Aufgabe erfasst, dürften wir ‚von ihm Auseinandersetzungen erwarten über die Erziehung der verschiedenen Altersstufen, Geschlechter, Stände, über die psychologischen Vorbedingungen aller Erziehung, soweit wenigstens dazumal darüber gedacht und philosophirt wurde, über das Verhältniss leiblicher und geistiger Erziehung, über den Einfluss des öffentlichen Lebens u.s.f. Und wir hören ihn auch über manchen derartigen Punkt, aber entweder in der befangenen einseitigen Weise, oder ohne näheren Zusammenhang mit seiner gılooogie.

Ganz gewiss hängt seine Anschauung von der Erziehungs- und Unterrichtsfähigkeit nur guter Naturen damit zusam- men, dass er sich nur als Lehrer der Beredtsamkeit denkt, der dem nichts beibringen kann, der einmal keine Anlagen dazu hat: profitiren wird er unter Umständen, Redner werden nicht. Dann aber sind seine besonders pädagogi- schen Schriften, die beiden Nikoklesreden, ganz vom monar- chischen Standpunkt aus geschrieben, und er wiederholt es oft auch in anderen Reden, dass sich das Volk die