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Beredtsamkeit eine Verletzung der Götter— Peitho ist ja auch eine in Athen verehrte Göttin. Dass er sich über Pindar erhebt, kann man ihm wegen der glänzenden Ver- herrlichung der Grösse Athens hingehen lassen(Antid.' 166); dass er aber im Panath. 75. 78. meint, er habe mit Agamemnon das gleiche Schicksal, nicht würdige Anerken- nung gefunden zu haben, dass er sich wiederholt im Besitze der allein wahren Philosophie rühmt und sich bis zu den Sternen lobt und loben lässt, ist nicht mehr antikes Selbst- bewusstsein, sondern Ueberhebung und Phrase. Und Phrase, schön gedrechselte Phrase, ist vor allem die Kunst des Isokrates. Von diesem Standpunkt aus könnten wir sei- nen Charakter als den eines harmlosen Schwätzers unan- gefochten oder wenigstens unbeachtet lassen, wenn wir eben nicht immer von ihm selbst daran erinnert würden, dass seine Worte nicht Phrasen, sondern pures Gold sein sollen.'
Und das sind sie nicht: seine Rede auf Euagoras ist wie die an Philippus eine unwürdige Schmeichelei; je mehr er gegen Könige und Fürsten in schweifwedelnder Unterwürfigkeit kriecht, desto mehr erhebt er sich über seine Mitbürger und Mitstrebenden. 4
Die Natur hat an dem Manne eine wunderbare Rache genommen: sie hat dem Meister des Wortes versagt, zum Herzen des Volkes zu sprechen. Daher mag sich nicht nur die Kälte und Glätte, nieht nur die Schroffheit und Ueberschwänglichkeit seiner Reden erklären— denn hinter dem Schreibtisch lässt sich leichter feilen und schimpfen, als vor versammeltem Volke reden— sondern auch die Monstrosität einiger Reden, namentlich der Antidosis, kann nur daher begriffen werden. Mag er auch wirklich wegen Vermögensumtausch belangt worden sein, die Rede ist als solche doch eine Fiction, eine Fiction, in der er zudem Sokrates’ Apologie nachgeahmt hat. Eine Auseinander- setzung über die Redegattungen wie 45 ff. würden Richter ebensowenig angehört haben, als sie dem fortwährenden Selbstlob eines Mannes Aufmerksamkeit geschenkt hätten,
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