gerne sieht. Desshalb verdienen auch die Dichtungen Ho- mers und die Erfinder der Tragödien unsere Bewunderung, weil sie in richtiger Erkenntniss der menschlichen Natur beide Formen für die Diehtung benützt haben; denn jener - erzählt die Kämpfe der Heroen, diese haben die Erzählun- gen in Handlungen gebracht, so dass man sie nicht nur er- zählen hört, sondern wirklich vorgehen sieht. Derartige Bei- spiele beweisen dem, der die Seelen der Hörer leiten will, dass er sich enthalten soll, Ermahnungen und Rathschläge zu geben, sondern solches vorbringen muss, worüber die Menge sich am meisten»freut.
So hält Isokrates die Poesie für einflussreich! Eine sonderbare Anerkennung, die fast wie Schimpf klingt.
Zwar lobt er, Paneg. 159, die Dichtung llomers, dass er die Kämpfer gegen die Barbaren so schön verherrlicht habe, und meint, desswegen. hätten die. Vorfahren seine Kunst so sehr in Ehren gehalten, sowohl in musischen Wettkämpfen als in der Jugenderziehung, damit man aus dem hänfigen Vortrag der Gedichte den Perserhass lerne und in Bewunderung der'Tüchtigkeit jener nach gleich grossen lleldenthaten strebe. Aber im Allgemeinen hat er über Poesie nur ein wegwerfendes Urtheil.
In der Rede Busiris 38 macht er dem Sophisten Poly- krates Vorwürfe, dass er sich in einer Lobschrift auf Bu- siris an die Dichter gehalten habe, welche von Söhnen der Götter Dinge erzählen, die der verworfenste Mensch nicht ausgeführt habe, und von den Göttern selbst berichten, was keiner über seine Feinde zu sagen wagte; denn sie haben ihnen nicht nur die Schande des Diebstahls, Ehebruchs, der Knechtschaft angehängt, sondern auch angedichtet, dass sie ihre Kinder aufgezehrt, ihre Väter geschändet, die Mütter gefesselt hätten. Und dafür haben sie nicht einmal ge- bührend gebüsst, wenn sie auch nicht ungestraft blieben: denn die einen irrten umher am Bettelstabe, andere wur- den geblendet, ein anderer, aus dem Vaterland vertrieben, lag in beständigem Kampf mit der Heimath, Orpheus, der


