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und suche die Beschaffenheit der Sprechenden und Be- sprochenen zu erkennen.
Sind diese Ermahnungen auch an einen Herrscher ge- richtet, so lassen sie sich doch leicht allgemeiner verstehen, und wenn Isokrates das&Seivaı rois re plloıg Enınhr far zat Tois 2490018 Errıdkodor vais ahhnkow auagriaıg für das Leben bildend nennt, so meint er eben: ‚das Leben bildet den Mann“ Aber auch viel bedeuten die Worte: denn auch aus Dichtern kann man Lebensweisheit lernen- Wir wollen sehen, wie das Isokrates versteht.
Ich weiss wohl, sagt er etwa, Nikokl. 42, dass gute Lehren in Gedichten und anderen Schriften alle für sehr nützlich halten; doch hört man nicht sehr gern darauf, sondern es geht einem wie mit denen, die zurechtweisen: auch diese lobt man, doch will man sich lieber zu denen finden, die mit einem fehlen, als die abmahnen. Beweis die Poesie des Hesiod'Theognis und Phokylides. Auch diese nennt man die besten Rathgeber fürs menschliche Leben, und doch vertreibt man sich lieber die Zeit mit seinen'Thorheiten, als mit ihren Vorschriften. Ja, wenn einer eine Sammlung von Sentenzen aus den Dichtern machte, die darauf grosse Sorgfalt verwendet haben, würde es ebenso gehen: man würde lieber auch die schlechteste Komödie hören, als so kunstvoll gearbeitete Dichtung. Kurzum, ein Blick auf die Natur der Menschen zeigt, dass die meisten weder an den gesundesten Speisen, noch an den schönsten Beschäftigungen, noch an den nützlichsten Kenntnissen Vergnügen finden, sondern nur für Vergnügen halten, was dem Nutzen widerspricht.
Nachdem er sich nun noch bitter beklagt hat über die Oberflächlichkeit der Menschen, über ihre Interesselosigkeit an geistigen Fragen, über die Gewöhnlichkeit ihres Ver- kehrs, fährt er fort: Wer also etwas der Menge angenehmes dichten oder schreiben will, darf offenbar nicht auf Nütz- liches, sondern auf Fabelhaftes bedacht sein; denn das hört man gerne, wie man Ringkämpfe und


