Aufsatz 
Die Pädagogik des Isokrates
Entstehung
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So richtete sich ihre Sorgfalt auf alle Bürger, beson- ders aber auf die Jünglinge. Denn sie sahen, dass diese am leidenschaftlichsten und voll der meisten Begierden seien und ihre Seelen am meisten der Zucht bedürften durch eifrig betriebene anständige Beschäftigung und Arbeit, die Lust bringt; denn nur in diesen beharre der frei Er- zogene und an hohen Sinn Gewöhnte. Bei der Verschieden- heit der Lebensstellungen war aber eine gleiche Erziehung aller nicht möglich: ihre Vorschriften richteten sich nach dem Stande. Dürftige wiesen sie auf Ackerbau und Han- del; sie wussten, dass Schlechtigkeit aus Armuth kommt, wie Armuth aus Trägheit: die Wurzel der Uebel zer- stören, heisse auch alle anderen Folgen aufheben.

Die Vermöglichen zwangen sie zu ritterlichen Uebun- gen, auf die Ringplätze, die Jagd und zu wissenschaftli- chen Studien: denn dies führe zu Auszeichnung oder zur Enthaltung von sehr vielem Schlechten. Auch für spä- ter behielten sie diese Aufmerksamkeit bei: die Einthei- lung der Stadt in Quartiere und Bezirke war wegen der Sittenaufsicht. Unordentliche führte man vor den Rath. . Dieser ermahnte, drohte, strafte, wenns nöthig war. Sie wussten, dass die Wege, welche zum Unrecht führen und von Schlechtigkeit abhalten, doppelte seien. Bei Mangel an abwehrender Vorsorge oder strenger Ahndung gehen auch anständige Naturen zu Grunde; wo aber Frevler nicht leicht verborgen bleiben, und überführt keine Nachsicht finden, verschwinden schlechte Sitten bald. Daher trieben sich die jungen Leute nicht im Würfelklub herum, noch bei den Flötenspielerinnen, auch nicht in solchen Versamm- lungen, in welchen sie jetzt den Tag verlungern,, sondern blieben bei ihren bestimmten Beschäftigungen und hatten Bewunderung und Ehrgeiz für Auszeichnung. Dem Markt gingen sie ausweg, und wenn sie doch darüber mussten, thaten sies mit Sittsamkeit und Bescheidenheit, Gegen ältere Leute erlaubten sie sich weniger Widerspruch oder Schmähung, als sie jetzt Beleidigungen der Eltern scheuen.

0) Im Gasthaus zu essen oder zu trinken hätte nicht einmal