u UI
Gerechtigkeit die vorzüglichsten Tugenden sind; denn sie nützen uns nicht allein an und für sich, sondern eine nähere Betrachtung wird uns finden lassen, dass grosses Unheil entsteht, wenn nicht Wesen, Wirkung und Gebräuch der Dinge sich mit ihnen verbindet; sind sie aber verbunden, das menschliche Leben bedeutend gefördert wird“ Nun will er darlegen, wie er seine Gerechtigkeit bewiesen habe: Obgleich er zur Zeit der grössten Noth und Verwirrung die Regierung übernommen habe, so sei doch durch ihn nie ein Bürger weder um sein Vaterland, noch um sein Leben noch um sein Vermögen gekommen. Den meisten Verpflichtungen sei er nachgekommen, für andere habe er Aufschub erlangt, mit anderen sich ausgeglichen. Grollende und widerhaarige Nachbarn habe er durch Dienstfertigkeit und billige Nachgiebigkeit besänftigt. Mit rechtmässigem geringem Besitze sei er zufrieden gewesen und habe nicht nach unrechtmässiger Vermehrung seiner Macht gestrebt. Kurz, er habe nie Jemanden verletzt, dagegen von seinen Bürgern und den anderen Griechen mehr durch Wohl- thaten und Geschenke sich verpflichtet, als je einer seiner königlichen Vorfahren. Solches müsse von sich rühmen kön- nen, wer auf Gerechtigkeit und Geringschätzung des Geldes stolz sein wolle. Noch grösser sei seine Mässigung gewe- sen: seit seiner Regierung habe er kein anderes Weib berührt, als seine Frau; denn er habe nicht nur jede der- artige Verdächtigung von sich fernhalten, sondern auch seinen Bürgern ein Vorbild sein wollen. Er halte es für eine Pflicht der Könige, den Unterthanen soviel an Tugend voranzustehen, wie an Ehre; Schande sei es, Andere zu geordnetem Leben zwingen zu wollen, selbst aber un- geordneter zu leben, als die Untergebenen. Ferner habe er gesehen, dass auch die Besten, sonst in allen Dingen stark, doch schwach seien gegen sinnliche‘Begier. Drum habe er seine sittliche Kraft zeigen wollen in Dingen, in welchen er auch die auf ihre Tugend stolzen übertreffe. Die Verletzung ehelicher Treue halte er für eine Schlechtigkeit. Auch in seinem Hause habe er, als ein guter König,


