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Grundlagen des Lebens irre; die Autorität des Staates fällt.
Isokrates hat die Schäden seiner Zeit wohl erkannt; er unterlässt es keinen Augenblick, jeden Schatten des damaligen Lebens recht dunkel zu zeichnen und daneben den Glanz der Vergangenheit recht leuchtend hervortreten zu lassen. Verkennt man auch nicht, dass persönliche Missstimmung, Unzufriedenheit mit seinen eigenen Erfolgen, wie mit dem Gange der Ereignisse ihm die Farben ge- rieben hat, so ist doch im Grossen und Ganzen das Bild, das er von seiner Zeit entwirft, richtig.
Die Strenge der Erziehung ist dahin, die Interessen des Staates werden oberflächlich und selbstsüchtig betrachtet und wahrgenommen; wer dem Volke schmeichelt, regiert; Wahrheit wird nicht gehört; die Gerichte urtheilen nach Gunst und Willkür; persönliche Sicherheit ist der Syko- phantie preisgegeben; geheimes Stimm- und Wahlrecht bringt schlechte Beamte; auswärtige Politik und‘ Söldner- wesen ruiniren Patriotismus und Bürgersinn und leeren die öffentlichen Kassen.
Solche Klagen erhebt Isokrates immer und immer wie- der, gewöhnlich indem er ein Bild aus der Vergangenheit danebenstellt, um den Unterschied von einst und jetzt recht hervortreten zu lassen, oder in der tieferern Absicht, durch den Gegensatz seine Vorstellung vom idealen Staat zu entwickeln; denn auf den Staat bezieht auch er wie Plato und Aristoteles den Zweck der Erziehung und findet sich dadurch ganz im Einklang mit den Anschauungen der Zeit.
Es wird sich Gelegenheit bieten, auf Isokrates’ Kritik seiner Zeit zurückzukommen; dann werden wir auch sehen, wie er eine Bosserung der Verhältnisse sich von einer Aenderung der Erziehung abhängig dachte; zunächst mag er uns nur selbst sagen, wie er Erziehung aufgefasst hat
Eine eigentliche Definition hat er nicht gegeben, doch hat er sich häufig über Inhalt, Zweck und Mittel der Er- ziehung ausgesprochen.


