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sich wundern, dass seine pädagogischen Ansichten noch keiner systematischen Kritik unterzogen worden sind, die ‚allein seine Stellung in der Geschichte bestimmen konnte.
Von allgemeineren Gesichtspunkten aus hat Curtius in seiner griech. Geschichte den Mann trefflich beurtheilt; zur Beurtheilung seiner Stellung in der Pädagogik sollen die folgenden Zeilen einen Beitrag liefern.
Isokrates hat fast ein ganzes Jahrhundert griechischer Geschichte erlebt, ein Jahrhundert, in welchem sich der merkwürdigste Umschwung griechischen Lebens vollzog.
Seine Jugend fällt in die Zeit, als Athen, auf der Höhe der Macht und des Glückes, alle Herrlichkeit griechischen Lebens entfaltete; wenige Tage nach der Schlacht bei Chaironeia, dem Todeskampfe griechischer Freiheit, fand er den Tod, den er suchte,
Die Zeit vor dem peloponnesischen Kriege bezeichnet den Höhepunkt griechischer Selbstständigkeit, besonders in Athen, die Vollendung des griechischen Staates, die höchste politische Entwickelung, deren Griechenland fähig war; die makedonische Unterwerfung bricht die nationale und politische Selbstständigkeit, raubt dem Leben der Staaten die politische Bedeutung, und lässt ihm das Gebiet der Wissenschaft frei. Diese wird von nun an eifrig, gründlich und allseitig bearbeitet und bringt ihre Früchte auf den internationalen Markt. Es sind die Grenzpunkte der dop- pelten Mission Griechenlands, seiner national-politischen und kosmopolitisch-humanen.
Wie sich der Uebergang vollzog, ist die Geschichte Griechenlands vom peloponnesischen Kriege bis zur make- donischen Unterwerfung. Dass eine solche Uebergangs- periode eine Zeit voll Gährung sein musste, leuchtet ein; die in der früheren Zeit liegenden Keime kommen zu voller Entwickelung, aber entbehren eines so sorgsamen und trefflichen Pflegers wie Perikles. Die Partei regiert statt der Idee, momentanes Interesse leitet die Politik, statt ge- schichtlicher Ueberlieferung, Sophistik und Aufklärung durchdringt die Massen und macht sie an den überlieferten
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