Aufsatz 
Die Pädagogik des Isokrates
Entstehung
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Wissenschaft wirkt so tief ins praktische Leben ein, hängt so direkt mit der Praxis des Lebens zusammen, als die Pädagogik.

Der pädagogische Schriftsteller muss also vor allem sich die Untersuchung gefallen lassen, ob er ein Verständniss habe für das Leben, das heisst, für historische Entwicke- lung, ob er aus der Geschichte der Vergangenheit die leitenden Ideen herauszufinden und in ihrer Wirkung für die Gegenwart zu würdigen wisse; das Urtheil über ihn wird sich darnach richten, wie weit er entweder der Inter- pret seiner Zeit, oder ihr Lehrer und Leiter oder Ver- derber und Verführer geworden ist.

Die Betonung der praktischen Bedeutung der Pädagogik raubt ihr den wissenschaftlichen Werth keineswegs, gibt ihr vielmehr den ihr gebührenden und stellt sie ins rich- tige Verhältniss zur Staatswissenschaft, zu der sie gehört. Das ist gerade der Hauptunterschied antiker griechischer und moderner Pädagogik: Plato und Aristotele» kannten keine Pädagogik, als im Zusammenhange mit dem Staat; und unsere moderne Pädagogik, welche seit Fichte min- destens eine nationale geworden ist, wird gegenwärtig zum letzten natürlichen Schritte gedrängt, Staatspädagogik zu werden; das ist alle Pädagogik von Natur aus.

In solehem Sinne ist nun in der Geschichte der Päda- gogik auch von Isokrates die Rede, Zwar liegt seine hauptsächliche Bedeutung in der Geschichte der Beredt- samkeit; doch hat er selbst, wie schon bemerkt, den päda- gogischen Zweck seiner rhetorischen Schriftstellerei betont, und bei den zwei Gedanken, um die sich sein langes Leben gedreht hat, Wiederherstellung der alten athenischen Ver- fassung und Kampf mit Persien, hatte er doch nichts An- deres im Auge, als eine Reform des griechischen Lebens, die sich durch eine Besserung der pädagogischen Grundlagen vollziehen sollte: daher auch bei ihm die stetige Rücksieht auf den Staat.

Wenn es uns nun nicht wundert, den Mann in der Geschichte der Pädagogik genannt zu finden, so darf man