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Für die Geschichte der Pädagogik ist es aber von keinem Belang, ob irgend wer irgend wann irgend welche Lehren gegeben hat: sonst würde sich jeder Philister einen Platz in ihren Annalen erwerben. Praktische Lehren und Finger- zeige für's Leben und erzieherische Prineipien gehen oft gar weit auseinander. Der Geldmann unserer Tage wird nicht ermangeln, seinen Kindern manchen brauchbaren Wink für’s Leben zu geben, natürlich practica est multiplex,— und doch würde kein Verständiger ein Erziehungssystem gutheissen, das auf die Grundlage der Ansichten unserer Geldmenschen ‚gegründet‘ wäre.
Man hat noch nicht Geschichte der Pädagogik, wenn man ein paar erzieherische Maximen aus irgend einer Zeit oder irgend einem Pädagogen zusammenstellt.
Die Weltgeschichte ist eine Art Naturgeschichte der Menschheit, und die Geschichte der Erziehung ihre Phy- siologie.
Das Leben eines Volkes ist, trotz der unendlichen Man- nigfaltigkeit und Zusammengesetztheit, doch nicht minder einheitlich als das Leben des Individuums; die Entwicke- lung des Ganzen geht auf ähnliche Weise vor sich, wie die des Einzelnen. Leben erzeugt Leben, Leben erzieht Leben, und Entwickelung ist ewig.
Was in der Geschichte der Pädagogik nicht bedingend zur Geltung gekommen ist, findet zunächst keinen Platz: man müsste denn eine pädagogische Merkwürdigkeit wie eine wunderbare Naturerscheinung zu registriren haben.
Was aber Erziehung und Bildung zu allen Zeiten be- einflusst hat, muss aus der Geschichte erkannt, wie es ge- wirkt hat, nachgewiesen werden; diejenigen Personen, welche auf die Erziehung ihrer Zeit bestimmend eingewirkt haben, ihre lebendigen Organe geworden sind, müssen einer Kritik unterworfen werden, welche das Verhältniss zu untersuchen hat, in dem sie zu ihrer Vergangenheit und Gegenwart stehen.
Niemand ergreift mehr als der pädagogische Schrift- steller praktischer Bedürfnisse wegen die Feder, fast keine


