Isokrates wird in der Geschichte der Pädagogik nicht ohne Auszeichnung genannt. Nach dem Vorgange des alten Dionys aus Halikarnass lobt man an ihm, dass er seine Schüler nicht nur zu einflussreichen Rednern, sondern auch zu sittlich braven Männern und zu nützlichen Bür- gern für ihr Haus, für den Staat und ganz Griechenland zu bilden bestrebt gewesen sei; man findet seine Bedeutung für die Geschichte der Pädagogik darin, dass er die Gegen- sätze, die in der Erziehung zu Athen damals herrschten, und die durch Sokrates auf der einen und die Sophisten auf der anderen Seite repräsentirt werden, zu vermitteln und auszugleichen gesucht habe.
Wenn ein Mann in der Geschichte der Pädagogik eine so hohe Bedeutung einnimmt, hat er einen Anspruch dar- auf, dass man seine Schriften nach pädagogischen Principien systematisch untersuche, und der Geschichtschreiber der Pädagogik hat die Pflicht, dies zu thun, Nun hat freilich Isokrates kein System der Pädagogik hinterlassen, aber für seine ganze Lehr- und Schriftstellerthätigkeit den päda- gogischen Zweck in Vordergrund gestellt. Es bleibt also nichts übrig, als aus seiner bunten Hinterlassenschaft her- auszusuchen, wie er sich die Aufgabe der Pädagogik ge- dacht hat und wie er ihr gerecht geworden ist. Eine solche Untersuchung ist bisher, meines Wissens, noch nicht veranstaltet worden. Zwar streift Spengel, in seinem schönen Aufsatze über Isokrates und Platon, nahe an dieses Gebiet, und haben auch andere isokrateische Erziehungsmaximen aus seinen Schriften zusammengestellt.
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