Aufsatz 
Zur Geschichte der Offenbacher Lateinschule
Entstehung
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Geld für die Schule aus dem eigenen Lande aufzubringen sei. Das Land war klein, die Bevölkerung arm. Von allgemeinen direkten Steuern mußte abgesehen werden. Man stellte zusammen, welche aus besonderen Anlässen zu entrichtenden Abgaben der Schule zu fließen sollten. Da erkannte der Graf, daß er ausreichende Mittel zur Gründung der Schule aus der Grafschaft allein nicht aufzubringen vermöge. In dieser Verlegenheit stimmte er dem Vorschlag seines Hofpredigers Conrad Bröskei) bei, in protestantischen Län- dern, insbesondere in den Vereinigten Niederlanden und in England Geldsammlungen für die zu errichtende Schule zu veranstalten. Hof- prediger Bröske erbot sich, selbst die Reisen zu machen und für die Sammlungen tätig zu sein. Er entwarf auch die nachstehend abgedruckten Vollmachten(litterae patentes, offene Briefe, Patente) die ihn zu diesen Sammlungen ermächtigten.

Die Vollmachten.

Die in unsern Akten vorliegenden Urkunden sind Originale, mit Siegel und eigenhändiger Unterschrift des Grafen versehen; es sind die Papiere, die dem Hofprediger auf seinen Reisen als Aus- weis gedient haben.

Nr. 1. Urkunde in deutscher Sprache auf Per- gamentpapier. Vollmacht für die Vereinigten Nieder- lande. Die Interpunktion ist zur Erleichterung des Verständnisses hier. und da vervollständigt. Die Rechtschreibung dieser sowie aller anderen Urkunden in franzöõsischer und lateinischer Sprache ist bei- behalten.

Wir Johann Philips Graf zu Isenburg und- dingen entbiethen allen denen so gegenwertiges unser Patent zu lesen vorkombt, unsern respective fr. auch günst. und gnd.: Gruß zuvor, und fügen männiglich hiermit zu wissen.

Demnach wir mit und beneben andere viel tausend aufrichtigen Christenhertzen nicht sonder schmertzliche betrübniß nun eine ge- raume Zeit her angesehen, wie viel hundert ja tausend Kirchen und Schulen hin und wieder auf dem Land und in Stätten durch grau- sames Feuer und mehr als feindliche executionen zu Grund gerichtet und zerstört worden, und anbey betrachtet, wie viel dem allge- meinen Christlichen Religionswesen dardurch abgehe, biß selbige restauriert und wieder in vorigen stand gebracht werden möchten, all die weil der ruin und Verderbnuß allzugroß und fast dahin ge- diehen, daß wol zu zweiflen stehet, ob Viele immermehr, die meisten aber in Verlauf vieler Jahren, wieder aufgerichtet werden könten? Mithin aber auch erwogen wir, daß Christlichen Regenten und hohen Obrigkeiten, denen Natürlichen und aller Völcker, ja auch Welt- und Geistlichen Rechten nach allerdings obliege, an ihrem Ort und so viel an Ihnen ist, daran zu seyn, da mit Kirchen und Schulen, nicht allein wo sie seynd in gutem Stand und Wesen aufrecht erhalten, sondern auch womöglich repariret, und auch gantz von neuem er-

¹) Conrad Bröske, geb. 1660 in Wolfshagen in Niederhessen, besuchte das Gymnasium zu Hersfeld, studierte zu Marburg Philologie, Philosophie und Theologie, bildete sich in Genf in der französischen Sprache aus, wurde 1684 außerordentlicher Pfarrer in Offenbach, 1686 Hofprediger. s. Heber S. 176.

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