II.„Offenbacher Lateinischer Schul Acta Vol. II unter den Rectoribus An. 1691— 1698 Henrich Kuhaupt — 1608— 1704 Caspar Henric Petri — 1706— 1713 Joh. Henr. Bernhardi — 1714—1737 Joh. Sebast. Heppe An. 1691— 1737.“ Von anderer Hand in späterer Zeit hinzu— gefügt:„Dotation und Originalurkunde 1718.“
Die Gründe für die Errichtung der Schule.
Was den Grafen Johann Philipp zu lsenburg und Bü— dingen, der seinem Vater Johann Ludwig 1685 in einem Alter von 30 Jahren in der Regierung folgte, dazu veranlaßte, trotz der noch stark wahrnehmbaren Nachwirkungen des dreißigijährigen Krieges eine höhere Schule zu gründen, geht aus den ältesten Urkunden hervor, die wir nachstehend veröffentlichen. Vor allem maß er der Schule im allgemeinen eine hohe Bedeutung bei. Von guten Schulen schien ihm das Wohl des Staates und seiner Bürger abzu— hnängen. So hielt er es für die Pflicht des Regenten, für gute Schulen zu sorgen. Er erfüllte aber auch eine Pflicht der Pietät, da schon sein Vater und Großvater sich mit dem Ge— danken getragen hatten, Schulen, die in der Schreckenszeit des dreißigjährigen Krieges zerstört waren, wieder zu errichten; Vater und Großvater waren aber durch die dazwischen eingefallenen schweren Läufte und verderblichen Kriegszeiten, welche sie und die Ihrigen endlich gar in das Exilium!) gesetzet,„von ihrem guten Vorhaben abzulassen gemüssiget worden.“ Auch eine Pflichtder Dankbarkeit gegen(ott glaubte der GCraf erfüllen zu müssen, der ihn„in vorigen Jahren zu der Regierung gnädiglich berufen und nicht allein aus allen innerlichen“*), sondern auch nach- barlichen Widrigkeiten, deren seine Lande und er bereits einen Vor-— geschmack empfunden, ganz wunderbarlich errettet und die feind- lichen Waffen von den Orenzen wiederum abgetrieben“). Auch seine religiöse UÜberzeugung— er war eifriger Prote-— stant— wirkte stark auf seine Entschließung ein; die Schule sollte eine protestantische Schule sein. Diener des Staates und Diener des göttlichen Wortes sollten aus ihr hervorgehen.
Die Beschaffung der nötigen Mittel.
So kam der Graf zu dem festen Entschlusse, eine lateinische Schule zu gründen. Nun galt es die nötigen Mittel zu beschaffen. Zunächst wurde im Konsistorium beraten und berechnet, wie viel
¹) 1635 war die Grafschaft Isenburg-Büdingen als eine verwirkte Grafschaft des Reiches erklärt und dem Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt eingeräumt worden. Die Verbannung des Grafen dauerte bis 1642. S. Simon II, 316 f.
²) bezieht sich wohl auf eine Auseinandersetzung mit seinem Bruder Wilhelm Moritz, mit dem er gemeinsam die Regierung angetreten hatte. 1687 wurde zwischen beiden das Land geteilt. Simon II. 334 f.
³) gemeint ist der dritte Raubkrieg Ludwigs XIV. 1688 war ein französisches Heer bis zum Rhein vorgerückt, hatte Worms, Speyer und Mainz besetzt; ein Streifkorps setzte über den Rhein und brandschatzte die rechtsrheinischen Gebiete.


