Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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146 Die Bildwerke und Gipsabgüsse.

ward durch das Walten des Schicksals wieder ein blühendes Leben vernichtet? Daher ist die Statue auch nicht, wie früher von Overbeck und anderen angenommen wurde, neuerdings aber nur noch von Furtwängler vertreten wird, auf die Eros- statue des Praxiteles, die in Thespiä stand, zurückzuführen, sondern sie ist die römische Kopie eines hellenistischen Ori- ginals und ist vielleicht in die hadrianische Zeit zu setzen. Helbig sieht von der Deutung als Eros gänzlich ab, I, 122: Nach dem Ausdrucke des Gesichtes und dem Symbole der gesenkten Fackel kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Statue die Personifikation des Todes, Thanatos, darstellt. Thanatos erscheint durch die ihm obliegende Pflicht, das menschliche Leben zu vernichten, schmerzlich berührt, ähnlich wie sich Lyssa bei Euripides(Herkules furens 846 ff.) nur mit Widerstreben dazu entschließt, Herakles in Wahnsinn zu versetzen.»

Vergl. Baum. D. 497, Fig. 538. Bouillon I, Taf. 18, 2. Brunn D. Nr. 379. Burckh. 113 d. Clarac III, 649, 1494. Friederichs-W. 1578. Helbig I, p. 121, Nr. 183. Müller I, 35, 144. Mus. Nap. I, 18. Mus. P. Cl. I, 12. Overbeck A. S. Nr. 47. Overbeck II, p. 50. Pir. Mus. Nap. I, 64. Pistolesi II. Vat. V, 34. Schlie p. 172, Nr. 164. Welcker A. K. B. p. 22, Nr. 21.

Nr. 85. Medusenkopf, KI. S., Original(Marmor) früher im Palast Rondanini in Rom, seit 1808 in der Glyp- tothek in München. Das abgeschlagene Medusenhaupt ist im Moment des Erstarrens dargestellt. Der Künstler hat ein Ideal derjenigen Schönheit zu bilden unternommen, welche, erdellos und vollendet in der Form, durch den Mangel jedes Gefühls und jeder Empfindung an Ausdruck erkältend, ja fast erstarrend wirkt. Die schön gewundenen Massen des Haares scheinen sich zu Schlangen zusammenzuballen, ähnlich den- jenigen, deren Köpfe über den Schläfen hervorschießen, wäh- rend sich die Schwänze unter dem Kinn zur Umrahmung der Wangen zusammenschließen. Matt endlich senkt sich das über den Schlangen hervorgewachsene, einem im nächtlichen Dunkel sich bewegenden Vogel entlehnte Flügelpaar.(Brunn.)

Baum. D. p. 910. Brunn D. Nr. 239. Brunn Gl. Nr. 128. Frie- derichs-W. Nr. 1597. Lützow, Münchener Antiken, Taf. 25. Schlie p. 182.

Medusenkopf, Kl. S., Original(Marmor) in Villa Ludo- visi in Rom. In den Medusenhäuptern der vollendeten Kunst