Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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Die Gipsabgüsse. 147

ist der Schrecken des erstarrenden Todes der eigentliche Gegen- stand der Darstellung, kein friedliches Sterben; es möchte kein Werk antiker Kunst geben, in welchem das Grauen des Todes mit solcher Gewalt und Meisterschaft geschildert wäre.» Die Bezeichnung als«Meduse» wird neuerdings angefochten und die Bezeichnung«Kopf einer Sterbenben» vorgezogen. Ergänzt: Nase, rechte lälfte der Unterlippe, Hals und die un-

teren Enden der Locken. Baum. D. p. 911. Brunn D. 238. Frie- derichs-W. Nr. 1419. Schlie p. 270.

Nr. 21. Die Gruppe von S. Ildefonso, Hs., Original (Marmor) 1630 in Villa Ludovisi in Rom, dann im Besitz der Königin Christina von Schweden, kam nach deren Tode unter Philipp V. nach Spanien, war zuerst in S. Ildefonso aufgestellt, steht seit etwa 1820 in dem Museum zu Madrid. Das Bild- werk stellt zwei Jünglinge und das kleine Bild einer Göttin dar; der eine Jüngling trägt zwei Fackeln, die eine abwärts gegen einen Altar gewendet, dessen Feuer sie entzünden soll, die andere über der linken Schulter ruhend; der andere lehnt sich mit gebeugtem Kopf und Oberkörper auf die rechte Schulter des Gefährten; in der rechten Hand hält er eine Schale. Beide Jünglinge sind bekränzt. Die danebenstehende Gottheit hat einen Modius auf dem Kopfe und einen Apfel in der Hand. Die Gruppe hat unter allen antiken Bildwerken am meisten verschiedene Deutungen erfahren. In den Sta- tuen des Perrier vom Jahre 1637 erscheinen die Jünglinge unter dem Namen Decii sese pro patria devoventes; del Torre nannte sie Genien der Natur, der Isis opfernd. Maffei in den Statuen Taf. 121 Lucifer und Iesperus. Winkelmann nimmt an, daß Orest, Pylades und Elektra dargestellt seien; allgemein war aber zu Winkelmanns Zeit der Name Kastor und Pollux gebräuchlich. Lessing in der Abhandlung:«Wie die Alten den Tod gebildet» schlug zuerst die Deutung auf Schlaf und Tod vor, wobei die kleine Figur als Persephone aufzufassen wäre.«Viskonti glaubte in dem Kopf des einen Jünglings den Antinous zu erkennen und erklärte danach den andern für dessen Genius oder für Merkur, der den Bithynier in die Unter- welt hinabführe, die Göttin für Nemesis. Der Bildhauer Tieck bedient sich des Ausdrucks Todesweihe des Antinous, zweifelt, ob der andere der Genius Iadrians oder der des Todes sei,

welcher die dem Leben des Kaisers leuchtende Fackel erhebe, 10*