142 Die Bildwerke und Gipsabgüsse.
der Kopf, erinnert so entschieden an die Darstellungen des Antinous und unterscheidet sich so sichtbar von Idealgestalten, namentlich den glatten Schöpfungen der Hadrianischen Zeit, daß einzelne Abweichungen eine andere Deutung nicht be- gründen können. Auch die Neigung des Kopfes ist den An- tinousbildern eigen, indem man dadurch diesen frühgestorbenen Jüngling wie in schwermütige Träumereien versunken, gleich- sam sein eigenes Geschick ahnend, vorstellen wollte.“(Frie- derichs.)«Es ist die am stärksten idealisierende aller An- tinousdarstellungen, und darum ist auch ihre Antinousbedeutung am leichtesten zu verkennen. Andererseits aber läßt sich diese Figur mit ihrem vorgebeugten Kopf und der ruhigen Haltung nur unter der einen Voraussetzung, daß sie eine ganz be- stimmte Situation darstellt, vom Vorwurf des Gesuchten und Seltsamen freisprechen. Welche Situation kann aber besser jene Eigentümlichkeiten der Darstellung motivieren als die, wenn wir in der Statue den Antinous in seiner Todesstunde sehen, wie sein Auge sinnend in den Fluß hinabstarrt, der
ihn im nächsten Augenblick aufnehmen wird?»(Dietrichson.)
Ergänzt: Das linke Bein vom Knie abwärts, beide Arme zum größten Teil; die rechte Hand ist bis auf zwei Finger antik. Bouillon II, 49; III Stat. Taf. 20, 1. Clarac V, 947, 2426. Dietrichson, An- tinous p. 182— 186, Fig. 9. Friederichs-W. Nr. 1659. Furtw. Meisterw. 586. Mus. Cap. II. Taf. 56. Piran. Taf. 4. Racc. Sta. Camp. I. 44. Welcker A. D. V, 90. Welcker A. K. B. Nr. 51.
Nr. 9. Junges Mädchen(sogen. Artemis von Gabii), Hs., Original(Marmor) 1792 in der Umgegend von Gabii gefunden, zuerst in Villa Borghese, dann im Louvre aufgestellt. «Die Statue wurde wegen des aufgeschürzten Gewandes und wegen einer leisen Khnlichkeit ihres Kopfes mit dem der Artemis von Versailles für eine Artemis erklärt, die sich zur Jagd rüste. Aber ohne Bogen und Köcher ist diese Intention wohl nicht verständlich. Wir können nur an ein Genrebild denken, der Künstler beabsichtigte nichts weiter als ein graziöses Mädchen, mit dem Ordnen seiner Gewandung beschäftigt, dar- zustellen.“(Nach Friederichs.)
Ergänzt: Rechte Hand und untere Hälfte des linken Beins. Bouillon I, Taf. 244. Brunn D. Nr. 59. Clarac III, 285, 1208. Friede- richs I, Nr. 684. Gal. M. N. XI, 12. Müller II, 16, 180. Mus. R. Taf. 17. Perr. Abb. 49.
Nr. 7. Junge Römerin, Kl. S., Original(Marmor),
Ende des vorigen Jahrhunderts in Rom gefunden, im Louvre


