Die Gipsabgüsse. 141
freiwillig in den Tod gegangen, um das Leben seines kaiser- lichen Freundes zu retten. Denn nach Aussage der Magier konnte das Leben Hadrians, das in Gefahr war, nur dadurch verlängert werden, daß jemand für ihn sein Leben opferte. Es fand sich aber niemand, der dazu bereit war, als allein Antinous; feierlich weihte er sein Leben den Göttern der Unter- welt, es zum Ersatz bietend für das verfallene Leben des Kaisers; dann fand er den Tod, ob durch die Hand des Priesters oder durch einen Sprung in die Fluten des Nils, dies muß unentschieden bleiben. Durch Dietrichsons Ausführungen scheint der Opfertod des Antinous sicher erwiesen zu sein.— Unser Relief, das„Antinousrelief aar' 8εονν, zeigt Antinous nach rechts gewandt, sein Haupt ist mit Lotosblumen ge- schmückt, das über Rücken und Unterarme geworfene Hima- tion läßt die Brust frei. Der breite Bau der letzteren, der melancholische Gesichtsausdruck, die in die Stirn herab- hängenden Haare sind charakteristische Kennzeichen für An- tinous.
Baum. D. 85, Fig. 89. Bouillon II, 95. Dietrichson, Antinous p. 33 ff., 57 ff., 104 ff.(die charakteristischen Merkmale der Darstellung), 190 ff. Friederichs-W. Nr. 1663. Helbig II, Nr. 769. Pir. Mus. Nap. III, 33. Schlie p. 314.
Nr. 33. Antinous, Hs., Original(Marmor) in Hadrians Tiburtinischer Villa 1738 gefunden, im Kapitolinischen Mu- seum aufgestellt.«Ein Jüngling steht da, indem er mit leicht vorgestrecktem rechten Arm ein Attribut, dessen erhaltenes oberes Ende die Form eines dünnen Stabes hat, in schräger Richtung abwärts hält.“ Eine Deutung dieser Situation ist: Hermes sei dargestellt, cetwa wie er mit gesenktem Caduceus einen Verstorbenen geleitet, ein Motiv, welches bei einer für ein Grabmal bestimmten Statue recht wohl denkbar wäre. Aber kein antiker Künstler würde es gewagt haben, Hermes unter Formen darzustellen, welche sich wie diejenigen unserer Statue von den überlieferten Typen dieses Gottes wesentlich unterscheiden.“(Helbig.) Auch die Annahme, daß ein angeln- der Jüngling, vielleicht Narkissos, der sich beim Angeln in sein Spiegelbild verliebte(Helbig), dargestellt sei, ist wenig einleuchtend. Die Gestaltung der Statue nötigt uns, unter Mitberücksichtigung des Fundortes, der Villa Hadrians, an der Deutung als Antinous festzuhalten. Die Figur, namentlich


