Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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140 Die Bildwerke und Gipsabgüsse.

statue in Terracina als die wertvollste griechische Portraitstatue galt, ist die Haltung der Arme charakteristisch.«Wir wissen nämlich, daß die ältere, bescheidene und züchtige Weise, den rechten Arm unter dem Mantel zu tragen, zwar im allgemeinen zur Zeit des Aschines abgekommen war, daß dieser sie aber beibehielt. Aschines scheint auch auf der Rednerbühne nichts Freies und Ungebundenes gehabt zu haben, vielmehr um eine feine äußere Erscheinung besorgt gewesen zu sein.» (Friederichs.)

Baum. D. p. 33. Burckhardt I, p. 147. Clarac V, 843, 2136. Friederichs-W. 1316. Mus. Borb. I, 50. Welcker A. K. B. p. 48, Nr. 49.

Nr. 196. Antinous, Kl. S., Relief(Marmor), gefunden 1735 in Hadrians Tiburtinischer Villa, aufgestellt in Villa Albani. Die Persönlichkeit des Antinous, des Hirtenknaben aus Bithynion, sein Leben und sein Verhältnis zu Hadrian, ist in ein geheimnisvolles Dunkel gehüllt, und man wird wohl niemals zu voller Klarheit über den schönen Bithynier ge- langen. Denn bereits das Geschlecht, welches unmittelbar die Zeitgenossen des Antinous ablöste, war ungewiß über die Art seines Todes; von seinem Leben scheint man aber sogar noch weniger gewußt zu haben. Was wir von Antinous mit Sicherheit wissen, weil wir es an allen Bildsäulen mit eigenen Augen sehen können und es uns von vielen Autoren ein- stimmig bezeugt wird, das ist dies eine, daß er sich zu einem Jüngling von ganz ungewöhnlicher Schönheit entfaltet hat und, wie seine Gesichtszüge es uns zeigen, mit einem träume- rischen Gemüt begabt gewesen ist, in welchem Phantasie und Gefühl die überwiegende Herrschaft führten. Seine Schönheit ist nicht die reingriechische; die freilich nur ganz wenig vor- tretende Nase weicht von dem gewöhnlichen griechischen Profile ab, und auch im übrigen war sein Körperbau insofern nicht ganz untadelhaft, als seine linke Schulter ein wenig höher war als die rechte; aber über dieser edlen Jünglingsgestalt mit der breiten, hochgewölbten Brust muß eine fesselnde Anmut und jener Duft träumerischer Melancholie geschwebt haben, die so oft dem Leben im Waldesgrün und in der Waldeinsamkeit sich beigesellt, die er aber auch mit seinem kaiserlichen Herrn geteilt hat. Seinen Tod fand Antinous, nachdem er nur kurze Zeit Begleiter Hadrians gewesen war, im Nil. Nach einer Version ist er verunglückt; nach einer anderen ist er