Die Gipsabgüsse. 139
aus der Begeisterung erklären, mit welcher der Held seinem Spiele obliegt.“(Helbig.) Ausgehend von der Beobachtung, daß das Fell, auf dem der Torso sitzt, nicht ein Löwen-, sondern ein Pantherfell ist, das in Verbindung mit Herakles sich nie- mals nachweisen läßt, stellte Sauer in jüngster Zeit eine ganz neue Theorie auf:«Der gewaltige, schwerfällige Mann, der über den fast zu knappen Felsensitz ein Pantherfell gebreitet hat, während er als Attribut eine Keule oder einen keulen- ähnlichen Stab hält, dieser Kraftmensch, den der Torso von Belvedere darstellt, ist Polyphem, der Polyphem des Idylls, der die alte Wildheit abgelegt hat und, am felsigen Ufer sitzend, sehnsüchtig nach der geliebten Nereide(Galateia) aus- blickt». Die Inschrift auf dem Felsblock nennt den Apollo- nios, der Nestors Sochn, aus Athen als Bildhauer. Aus dem Charakter der Buchstaben schließt man, daß der Künstler nicht vor dem 1. Jahrhundert v. Chr. gelebt habe. Der Fundort des Torso scheint die Annahme zu empfehlen, daß die Figur einst zum Schmuck des Theaters des Pompeius ge- dient habe.“(Friederichs.)
Baum. D. 109, Abb. 114. Bouillon II, 4. Brunn D. Nr. 240. Brunn G. gr. K. p. 378 f. Burckh. I, 75 f. Clarac V, 803, 2017. De R. Racc. I, 9. Friederichs-W. Nr. 1431. Gal. M. N. IX, 630. Helbig I, Nr. 127. Müller H. p. 167, 682. Mus. P. Cl. II, 10. Overbeck II, 431 ff., 446 fl. Overbeck A. S. Nr. 78. Pir. Mus. Nap. II, 37. Sauer, Der Torso von Belvedere, Gießen 1894. Schlie p. 273. Welcker A. K. B. Nr. 12.
c. Die bildende Kunst in ihren Beziehungen zum Privatleben.
a. Portraitstatuen und Genrebilder.
Nr. 57 c Aschines, Hs., Original(Marmor) in Herkulanum gefunden, in Neapel aufgestellt, früher als Aristides bezeichnet. «Eine an so vielen Idealbildungen großgewachsene Kunst, wie die griechische war, konnte auch Bildnisse schaffen wie keine andere. Sie gab dieselben im höchsten Sinne historisch, indem sie die zufälligen Züge den wesentlichen unterordnete oder wegließ, indem sie den Charakter des ganzen Menschen ergründete und von diesem aus den ganzen Menschen wieder belebte, nicht wie er wirklich war, sondern wie er nach dem geistigen Kern seines Wesens hätte sein müssen.“(Burckhardt.) An der Statue des Aschines, die vor der Auffindung der Sophokles-


