138 Die Bildwerke und Gipsabgüsse.
stellen pflegt, fremd; Lysippos war, wie es scheint, der erste, der einen trauernden Herakles darstellte.“(Friederichs.) Als mitten in seinen mühevollen Arbeiten dargestellt, faßt Over- beck den Heros auf.«Das Haupt ist gesenkt, das Auge haftet wie sinnend auf dem Boden, vergangene und zukünftige Mühsal zieht wie ein Traum durch das Gemüt des Helden: die Situation ist vollständig die eines Menschen, der mitten in einer länger dauernden Anstrengung auf kurze Augenblicke verschnauft, um neue Kraft zu sammeln.“ Nach der Künstlerinschrift am Felsen, auf den sich Herakles stützt, hat Glykon aus Athen das Werk geschaffen. Der Künstler lebte, wie aus dem Charakter der Buchstaben geschlossen wird, nicht vor dem 1. Jahrhundert v. Chr.(Friederichs) oder viel- leicht im Anfang der Kaiserzeit(Brunn). Daß er nach einem lysip- pischen Vorbilde gearbeitet, wird fast allgemein angenommen.
Ergänzt ist an dem Kopfe die Nasenspitze. Baum. D. 599, Abb. 639. Brunn G. gr. K. I, p. 383. Burckh. I, 75, 1. Clarac V, 789, 1978. Friederichs-W. Nr. 1265. Müller I, 38, 152. Mus. Borb. III, 23, 24. Overbeck II, 449 f., Fig. 221.
Nr. 19. Der Torso von Belvedere, Hs., Original(Mar- mor) gefunden unter Julius II. in Rom beim Theater des Pompeius, aufgestellt im Vatikan. Bis in die neueste Zeit waren alle Forscher der Ansicht, daß ein Herakles dargestellt sei. Man schlloß dies aus dem über dem Felsensitze ausge- breiteten Fell, in dem man ein Löwenfell erkennt. UÜber Er- gänzung und Deutung gingen die Ansichten auseinander. Man nahm eine Gruppe an: Herakles mit Hebe, Iole oder Auge; oder Herakles habe, Keule und Becher haltend, ruhig beim Gelage gesessen. Doch widerspricht die starke Drehung des Oberkörpers der Annahme einer ruhenden Haltung.«Am besten stimmt zu dem erhaltenen Thatbestande die Vermutung, daß Herakles zur Feier seiner Siege die Kithara spielend und singend dargestellt gewesen sei. Man hätte dann anzunehmen, daß die Figur eine große Kithara auf den linken Schenkel stützte, wobei der über diesen Schenkel fallenden Zipfel des Löwenfelles als Unterlage diente, daß die linke Hand das äußere Horn des Instrumentes faßte oder auf dem Stege des- selben ruhte und die Rechte in die Saiten griff, während der Kopf mit zum Singen geöffnetem Munde nach oben gerichtet war. Die schwungvolle Bewegung des Thorax würde sich dann


