Die Gipsabgüsse. 133
dem Altar; er berührt sich nirgends mit dem Vater, er erhält sich stehend selbständig und durch eigene Kraft. Sein Ober- körper ist sogar in einen bestimmten Kontrast mit dem des Vaters gesetzt: er steht fast im rechten Winkel auf der ge- waltigen Diagonale, welche die Körperachse des Laokoon vom rechten Ellenbogen bis zum linken Fuße bildet und die ganze Gruppe durchschneidet.“ Wie die Künstler also den älteren Sohn völlig vom Vater und Bruder getrennt dargestellt haben, so ist auch sein Geschick von dem der Seinen zu trennen: er wird in ihren Sturz nicht mitverwickelt. Schon Goethe war, ohne des Proklos Notiz zu kennen, der Ansicht, daß der ältere Sohn möglicherweise gerettet werden könne.— Plinius, N. H. XXXVI, 37, nennt als Verfertiger der Laokoongruppe die drei rhodischen Künstler Agesandros, Athenodoros und Polydoros. Uber deren Lebenszeit herrscht große Meinungsverschiedenheit. Lessing war der Ansicht, daß der Laokoon erst unter Titus und für diesen gearbeitet sei; sie wird nur noch von wenigen vertreten, die die Worte des Plinius de consilii sententia fecerunt) in der sprachlich durchaus gerechtfertigten Uber- setzung und Erklärung verstehen: sie arbeiteten im Auftrag des kaiserlichen Staatsrats». Aus archäologischen und kunst- historischen Gründen setzen die meisten Forscher die Ent- stehungszeit früher an, doch schwanken die Ansichten zwischen dem 3. Jahrhundert(Overbeck) und dem Anfang des 1. Jahr- hunderts v. Chr.(Friederichs).
Baum. D. Abb. 26(ohne Ergänzung). Bouillon II, 15. Brunn D. Nr. 238. Brunn G. gr. K. I, p. 328. Clarac V, 838, 2092. Friederichs-W. Nr. 1422. Gal. M. N. X, 120. Helbig I, p. 96, Nr. 153. Kekulé, Zur Deutung und Zeitbest. des Laokoon. Berlin u. Stuttg. 1883. Müller I, 47, 214. Mus. franç. IV, 66. Mus. P. Cl. II, 39. Overbeck II, 296— 341, Abb. 202. Overbeck A. S. Nr. 70. Perr. Abb. 1. Pir. Mus. Nap. II, 62. Schlie p. 218. Welcker A. K. B. Nr. 11.
3. Aphrodite und Eros.
Nr. 16. Aphrodite von Melos, Hs., Original (Marmor) gefunden am 8. April 1820 in einer Exedra, die zu den Ruinen eines alten Gymnasiums gehörte, im Louvre. Mit der Statue zusammen fand man ein Stück Plinthe, dessen Zugehörigkeit später abgeleugnet wurde, mit einer Inschrift, wonach Ages(oder Alex-)andros, Sohn des Menides aus Antiochia, der Schöpfer der Statue ist. Des-


