Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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120 Die Bildwerke und Gipsabgüsse.

b. Skulpturenschmuck öffentlicher Gebäude und Plätze.

Welche Fülle von Statuen die Ausschmückung öffent- licher Gebäude und Plätze in römischer Zeit erforderte, läßt sich aus dem einen Umstand ermessen, daß M. Scaurus in seinem im Jahre 52 v. Chr. erbauten hölzernen Theater, das für 80 000 Zuschauer berechnet war, 3000 eherne Bildsäulen aufstellen ließ.(Baum. D. 1746. Guhl-K. 646 A.) Wenn diese fast unglaublich klingende, aber gut bezeugte Zahl dem Schmucke eines einzigen Theaters diente, welche Massen von Bildwerken waren dann nötig, um die zahllosen öffentlichen Gebäude und Plätze, die Theater, Thermen, Basiliken, Säulenhallen, Nym- phäen mit plastischem Schmucke zu versehen! Für einzelne Bildwerke können wir aus dem Fundort auf einen ganz be- stimmten Aufstellungsort schließen; so z. B. für die Venus von Milo auf ein Gymnasium, die Aphrodite von Arles auf ein Theater, den Torso des Herkules auf das Theater des Pompeius, die Laokoongruppe auf die Thermen des Titus; die meisten können wir nur vermöge des Gegenstandes, den sie darstellen, zum öffentlichen Leben in Beziehung setzen, und viele können ebensowohl ein öffentliches Gebäude wie den Privatpalast eines vornehmen Römers geschmückt haben.

¹. Dionysos und sein Kreis.

Nr. 37. Dionysos, Hs., Original(Marmor) früher in Cha- teau Richelieu in Versailles(daher Richelieu'’scher Bacchus ge- nannt), jetzt im Louvre. Bis in das 4. Jahrh. hinein dachten sich die Griechen den Gott fast ausnahmslos als würdigen König, der sich nur in Einzelheiten von Zeus unterscheidet.»(Sittl.) So schuf die ältere Kunst die stattliche und majestätische Gestalt des alten Dionysos mit der prächtigen Fülle der Hauptlocken, welche durch die Mitra zusammengehalten wurden, und des sanftfließenden Barthaares, den klaren und blühenden Zügen des Antlitzes und dem orientalischen Reichtum einer fast weiblichen Bekleidung, den Attributen des Trinkhorns und der Weinranke. Erst später, in Praxiteles' Zeitalter, geht daraus der jugendliche, im Alter der Epheben gefaßte Dionysos her- vor, bei Körperformen, welche ohne ausgearbeitete Muskulatur weich ineinanderfließen, die halbweibliche Natur des Gottes ankündigen, während die Züge des Antlitzes ein eigentümliches Gemisch einer seligen Berauschung und einer unbestimmten und dunkeln Sehnsucht zeigen, in welchem die Bacchische