32 Religiöses Leben der Alten.
quadratischen oder rechteckigen Reliefplatte von etwa 2 m Länge an, die im Hintergrunde einer Mithrasgrotte aufgestellt war. G. Wolff, Korr. Ges. 1881, Nr. 11 u. 12, p. 91 ff. und Zeitschr. des Ver. für hess. Gesch. Neue Folge, VIII, Suppl. p. 40 ff.
III. A. 5. Bruchstück eines Votivtäfelchens für Mithras, gefunden in Friedberg, Material Marmor; Darstellung: der stiertötende Mithras, ringsum symbolische Bilder aus der Ekliptik: Stier, Zwillinge, Skorpion, Löwe. Korr. Ges. 1881, p. 74.
In dem Stieropfer erscheint Mithras recht eigentlich als Demiurgos. Denn der Stier ist der heilige Urstier der Lehre Zarathustras, das von Ahura-Mazda zuerst geschaffene lebende Wesen, durch dessen Opferung Mithras alles animalische und vegetabilische Leben auf der Erde hervorruft: aus den Gliedern des getöteten Stiers sprießen alle Arten von Pflanzen und Tieren hervor, die Erde bevölkert sich mit Bäumen, Tieren, Menschen. Diesen Erfolg zu hindern, hat Ahriman den Skorpion und wohl auch die Schlange abgesandt(auch Cumont, W. Z. XIII, 1, p. 82 Anm. 125 giebt zu,«man könne auch in der Schlange das von Ahriman zum Bösen verführte Tier sehens, vergl. auch Müller, Nass. Ann. II, 1, 118: die Schlange ist das Urböse, Ahriman selbst oder sein Legat»), doch die Tiere des guten Geistes, Löwe und Hund, sind auch da und wirken dem bösen Geist entgegen. Der Löwe bedeutet das Feuer, der Hund vermag die bösen Geister zu bannen;(auch an das Bett der sterbenden Parsen wurde er gebracht, um durch seinen Blick die bösen Geister zu verscheuchen. Creuzer, Mithr. p. 40. Döllinger p. 386).— Eine rein astrologische Deutung der bei- gefügten Tiere giebt Stark, Bonner J. 46, p. 19. Skorpion, Löwe, Schlange, Hund sind die gleichnamigen Sternbilder: Es handelt sich um den alljährlich zwischen Frühlings- und Herbstnachtgleiche sich vollziehenden Prozeß des durch die herrschende Sommermacht und die das Auftreten bestimmter Gestirne im Umlauf der Monate bedingten Erdenlebens mit der vollen Befruchtung im Frühling und der Fruchtreife und Ernte, dem Absterben der Vegetationswelt im Herbste». Zu beiden Seiten des stiertötenden Mithras stehen auf vielen Darstellungen Jünglinge, ihm ähnlich in Gestalt, Gesichts- zügen und Kleidung, von welchen der eine eine erhobene, der andere eine gesenkte Fackel trägt.


