Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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30 Religiöses Leben der Alten.

Geschichte bandelte von den Magiern) geschöpft hat: Zara- thustra nannte den einen der höchsten Götter Oromazes(Ahura- Mazda), den andern Areimanios und behauptete dabei, der eine gleiche unter den sinnlichen Dingen am meisten dem Lichte, der andere am meisten der Finsternis und Unwissen- heit; der mittlere zwischen beiden aber sei Mithras; deswegen nennen die Perser auch den Mithras den Mittler(usoir=⁷)“. Man muß sich hüten, in den Begriff des Mittlers allzuviel hineinzulegen, wie dies z. B. Creuzer(Symb. p. 795— 98) thut. Wohl ist aber mit den Hymnen des Mihir Yasht Win- dischmanns Ansicht zu vereinigen(p. 56/57), der mit Spiegel (Zeitschrift der deutschen morg. G. XI. p. 102) den Namen Mithras etymologisch als Verbinder deutet(Sskr. mitra= Freund). Mithra ist nicht bloß als geschaffenes Licht das Mittlere, der Verbinder zwischen anfangslosem Licht und an- fangsloser Finsternis, sondern auch Repräsentant der Wahr- heit, Treue und Gerechtigkeit unter den Menschen, ein Mittler im menschlichen Leben, der allen Verkehr wahrt und ver- mittelt. Als geschaffenes Licht vermittelt er auch das Ver- hältnis der Geschöpfe und des Menschen insbesondere zu Ahura-Mazda, dem im unnahbaren Lichte wohnenden.»

b. Entwichelung und Ausbreitung in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten und in der Kaiserzeit. Im Laufe der Zeit machte der Gottesbegriff und Kult des Mithras verschiedene Phasen der Entwickelung durch, ohne jedoch sein ursprüngliches Wesen ganz einzubüßen. Als die Perser ihre Herrschaft nach Westen ausdehnten und mit dem Baalsdienste der Chaldäer in Berührung kamen, da wurde Mithras zum Sonnengotte (Strabo XV, p. 732; Plut. Js. et Os. 46), Chaldäische Tra- ditionen wurden mit persischen verschmolzen(Döllinger 385), sein Fest wird zur Zeit des kürzesten Tages gefeiert, zur Zeit, wo die Sonne, nachdem sie ihren tiefsten Stand erreicht, wieder aufsteigt, um von neuem ihren Siegeslauf am Himmel zu vollenden. Die Könige sind an diesem Feste hervorragend beteiligt(Athenaeus X, p. 434 D. Strabo XI. p. 530), ihr Schwur gilt dem mächtigen Mithras(Xenophon Cyrop. VII, 5, 53. Plutarch Artaxerx. 4. Alex. 30). Mithras erhält seine Mysterien. Der felsgeborene Mittler zwischen Licht und Finsternis wird in einer unterirdischen, künstlich beleuchteten Felsengrotte verehrt(Eubulos bei Porphyr. de antr. Nymph. 6).