Der Mithraskult und die Mithrasfunde. 29
Glanzreich wie Tashter, der Genius des Sternes Sirius, ist er doch ursprünglich nicht mit der Sonne oder den Sternen identifiziert, von denen er ausdrücklich unterschieden wird (Mihir Yasht 13, 95, 145). Als das lebendige Licht hat er die Aufgabe, alles, was dem Lichte feind ist, im Himmel und auf Erden zu bekämpfen und alles, was dem Lichte freund ist, zu beschützen. In dem Geisterreiche führt er den Ver- nichtungskrieg gegen die Geister der Finsternis, den Areimanius (Ahriman) und seine Dews; und wer auf Erden die Wahrheit und Treue verletzt, Menschen und Länder, die gehen elendig- lich zu Grunde und erfahren die ganze Furchtbarkeit des er- grimmten Gottes(Windischmann p. 53). So erscheint er als Krieger auf gewaltigem Schlachtwagen mit goldenem Helm und silbernem Panzer, scharfer Lanze, gradbefiedertem Pfeil und schwerer Keule ausgerüstet(Mih. V. 112, 101, 102, 95) und ist Beschützer der Gläubigen in der Schlacht. Er ist der Wahrer der Wahrheit und Treue, der Meister des Hauses, des Dorfes, der Stadt, des Landes(Mih. V. 115), der Herr des Verkehres, der Erhalter der Nichttrüger(Mih. V. 80). Da Mithras ge- schaffen ist, so ist er trotz aller Erhabenheit nicht das un- endliche Licht selbst und nicht die ewige Wahrheit selbst; aber er geht einer Verklärung entgegen und einem unsterb- lichen Leben und führt seine Anbeter mit sich dorthin, nach- dem er über die Toten an der Cinvatbrücke Gericht gehalten. Dies ist der Mithras des Mihir Yasht,«der als der mächtigste der Yazatas, der kräftigste der Yazatas, der thatkräftigste der Vazatas, der schnellste der Yazatas, der erzsiegreichste der Yazatas einherwandelt»(Mih. X. 98), zu dem die Gläubigen beten: «Mit Spenden opfern wir Mithra, dem Sitz der Freude und des Heils für die arischen Länder. Herbei komme er uns zum Schutz; herbei komme er uns zur Befreiung; herbei komme er uns zur Freude; herbei komme er uns zur Er- barmung; herbei komme er uns zur Heilung; herbei komme er uns zum Sieg; herbei komme er uns zum Wohl; herbei komme er uns zur Reinigung, der gewaltige, starke, anzu- betende, zu ehrende, nicht betrogene.“(Mih. Y. 4— 6, 9, 11 ff., Schlußformel vieler Hymnen).
UÜber sein Verhältnis zu Ahura-Mazda und Arei- manios schreibt Plutarch(de Js. et Os. c 46), der wohl aus Theopomp(378— 305 v. Chr.; das 8. Buch seiner philippischen


