28 Religiöses Leben der Alten.
idealistischem Standpunkte aus das Wesen des Mithras aus der allgemeinen Religionsgeschichte der Völker zu erfassen(so Döllinger, Creuzer u. a.); die anderen gehen streng realistisch von den erhaltenen Monumenten aus und suchen diese unter Hinzuziehung der alten Uberlieferung zu deuten(so Cumont, Marquardt-Mommsen u. a.). In vielen wesentlichen Punkten haben sich die Forscher beider Richtungen geeinigt; in vielen wird noch eine Einigung erzielt werden; in manchen wird man nie zu apodiktischer Gewißheit gelangen.
Creuzer, Symbolik und Mythologie der alten Völker. Darmst. 1819. I, p. 728— 799. Creuzer, Das Mithreum von Neuenheim bei Heidelberg. Heidelbg. 1838. Döllinger, Heidentum und Judentum. Regensbg. 1857. p. 382— 388. Windischmann, Mithra, Abhdlgn. für die Kunde des Morgenlandes 1857— 1859, p. 1— 89. K. O. Müller, H. p. 670, 71 A. 7. Marqu.- Momms. VI, p. 82— 87. Preller R. M. II, p. 408— 418. F. Cumont, Textes et monuments figurés relatifs aux mystères de Mithra I u. II, 1894 u. 1895. Brüssel. G. Wolff und F. Cumont, Das dritte Mithraeum in Heddernheim und seine Skulp- turen, W. Z. 1894, p. 37 ff.— Goldmann, Der Mithraskult und die Mithräen in Friedberg, Arch. Neue Folge 1895, Heft 1, faßt die Fried- berger alten und neuen Funde zusammen(erscheint demnächst). Weitere Litteratur im Text.
a. Der Kultus der ältesten Zeit. Die Gestalt des Mithras gehört ursprünglich der alten mazdäischen Religion an. Ge- schaffen ist er von Ahura-Mazda als der höchste der Jzed's (guten Genien). In dem Mihir Yasht, dem alten Opfergebet der Zendavesta an Mithra, heißt es I, 1(Windischmann): Es sprach Ahura-Mazda zum heiligen Zarathustra: Als Mithra, den weitflurigen, ich geschaffen, o Heiliger, da habe ich ihn ge- schaffen so groß anzubeten, so groß zu verehren, wie mich selbst, den Ahura-Mazda». Er stammt aber vom Felsen (Ex rναςα 1ετετπda Justinus ums Jahr 160 n. Chr. in seinem dialog. cum Tryph. II, p. 236, Otto), heißt der Felsgeborene (xεᷣ ρονετυmmm—ohannes Lydus de Mens. III, p. 43, Bonn) und ist der Feuerstrahl, der aus dem von Ahura-Mazda erhitzten Felsenberg Albordi hervorschoß(Creuzer, Symb. I, 773. Mithr. p. 14, 49 u. 67, Anm. 10. Windischmann p. 61). So ist er das geschaffene, alles durchdringende, alles belebende Licht, das auch selbst alles sieht,«mit 10000 Augen, pegabt ist, 1000 Ohren» hat, der allwissende, allgegenwärtige, schlaflose, wachsame Zeuge aller Gedanken, Worte und Werke(Mihir Yasht an vielen Stellen, z. B. 7, 10, 12 ff. u. 105— 107).


