Die Tempelformen bei den Römern. 19
c. Die weitere Entwickelung des Tempelbaus bei den Römern.
Einen wesentlich anderen Charakter erhalten die Tempel durch die Anwendung des Gewölbebaus, der bei den Griechen «nur selten und in großartigem Maßstabe niemals vorkommt». Nach Guhl-K. 504 ist für die Frage der Gewölbekonstruktion die Thatsache zu konstatieren,«daß schon in sehr früher Zeit bei den Etruskern und andern italischen Völkern Beispiele von Gewölbebauten vorkommen, und daß es die Römer ge- wesen sind, die dies Konstruktionsprinzip zu vollständiger Geltung gebracht und zu einem in technischem wie ästhetischem Sinne gleich bedeutenden Element ihrer Baukunst erhoben haben». Zwei Arten von Gewölben kommen am häufigsten an den Tempeln zur Anwendung, das Tonnengewölbe und das Kuppelgewölbe. Adamy A. I, 4, 151 ff. Durm II, 164 ff.
K.-M. Nr. 11. Doppeltempel der Venus und Roma an der via sacra in Rom. Dieser größte Tempel Roms wurde von Kaiser Hadrian nach dessen eigenen Bauplänen aufgeführt und 135 n. Chr. eingeweiht. Das Heiligtum war als Pseudo- dipteros hexastylos gedacht, d. h. es war ein Peripteros von 10 Säulen Front mit so breitem Säuleneingang, wie ihn sonst der Dipteros hatte; an den Längsseiten waren je 20 Säulen. Der Säulenkranz umischloß zwei voneinander getrennte Zellen in der Form des Doppelantentempels. Ihre Eingänge lagen an den Schmalseiten nach Osten und Westen und man er- reichte sie durch Vorhallen, zwischen deren Anten je 4 Säulen standen. Da, wo die beiden Zellen aneinander stießen, waren halbkreisförmige, mit kassettierten Halbkuppeln gedeckte Nischen angebracht, in welchen die Statuen der Göttinnen Roma und Venus(beide sitzend dargestellt) aufgestellt waren. Erstere schaute nach Westen, letztere als genetrix und victrix, Stamm- mutter und Siegerin in kriegerischer Kleidung, mit Helm, Schild und Lanze gerüstet, eine Nike tragend, blickte nach dem Forum. Die Zellen selbst waren mit einem Tonnen- gewölbe überdeckt, das mit quadratischen Kassetten verziert war. An den Längsseiten der Zellen waren auf beiden Seiten je 5 entweder viereckige oder gewölbte Nischen angebracht, die zur Aufnahme von Statuen dienten. Diese sowie die An- lage der Zellen und die kassettierten Halbkuppeln sind am Modell deutlich erkennbar.
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