Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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14 Religiöses Leben der Alten.

gesims ohne Zahnschnitte und Konsolen ist von klarer Gliederung. Architrav und Fries sind aus einem Stein geschnitten, eben-

so das Hauptgesims, die Sima eingerechnet(Strack).* Adamy A. I, 4, 207. Bunsen III, 1, 274. Can. II, Taf. 25. Strack Taf. 16.

2. Die Tempelformen.

a. Bei den Griechen.

Die Grundformen: 1. Der Antentempel, so genannt nach den Pfeilern, antae, αeρπααανεςα, in welche die beiden Seitenwände der Cella ausliefen: vaανςα ν αανμαᷣ aοντν, templum in antis; zwischen den Anten sind zwei Säulen; a. der einfache Antentempel mit Säulen- stellung auf einer Seite; b. der Doppelantentempel mit Säulenstellung auf zwei Seiten. 2. Der Prostylos, Vorsäulentempel, so genannt von den frei vor die Anten tretenden Säulen; a. der einfache Prostylos; b. der Amphiprostylos mit Säulenstellung auf zwei Seiten. 3. Der Peripteros, so genannt nach den reâ, dem rechts und links von der Cella vorgeschobenen und von Säulen getragenen Dache: so wurde die Cella von einem vollständigen Säulenkranze umgeben. Der Niketempel auf der Akropolis ist ein jonischer Amphiprostylos tetra- stylos, ein Tempel mit zwei von je vier Säulen getragenen Vorhallen. Der Parthenon ist ein dorischer Peripteros von acht und siebzehn Säulen, welche einen Amphiprostylos hexastylos, d. h. eine Cella mit zwei sechssäuligen Vorhallen umschließen. Das Erechtheion hat eine ganz eigentümliche Form, die in keinem andern griechischen Tempel wiederkehrt.

Rottmann'sche Kartons im Kupferstichsaale rechts. Die auf beiden Kartons dargestellten Tempel sind dorische Peripteroi; innerhalb eines Säulenkranzes von 6 und 13 Säulen stand die Cella, welche bei diesen Tempeln wahrscheinlich die Form des Doppelantentempels gehabt hat.

b. Bei den Römern.

Über den Einfluß der Griechen auf das religiöse Leben der Römer Guhl-K. 496:«Der ursprünglich durch die Vermittelung der Etrusker auf Rom geübte griechische Einfluß, der selbst schon bei dem sogen. tuskanischen Tempel nicht abzuleugnen ist, gewann immer mehr Boden, als die Römer nach Vertreibung der Könige bei der Neugestaltung ihrer Staats- und Rechtsverhältnisse ihren Blick auf fremde vor- geschrittene Völker zu richten sich genötigt sahen. Es ist zugleich die Zeit, in der die Griechen ihre Höbe erreichten und im Staats- und Kriegswesen ebenso wie auf dem Gebiete der Künste und der Poesie die glänzendsten Erfolge erlangten. Es ist kaum ein Gebiet des römischen Lebens, das von dieser Einwirkung sich ganz frei hält; staatliche Einrichtungen, das Verkehrswesen, die Gesetzgebung werden nach griechischen Vorbildern gestaltet; ja auch die römische Tempel-