Die Tempelformen bei den Römern. 15
architektur zeigt sich griechischen Einflüssen unterworfen, weil ab- gesehen davon, daß die alten Kultusbeziehungen zwischen Rom und Griechenland, gleichsam die Merkzeichen gemeinsamen Ursprungs im Bewußtsein der Völker in voller Kraft bestehen bleiben, auch neue Beziehungen der Art sich zu knüpfen beginnen. Die altitalische Sage, die wegen mangelnder scharfer Persönlichkeit der göttlichen Gewalten immer dürftig gewesen war, scheint sich durch UÜbertragung aus dem Mythenkreise der griechischen Gottheiten mannigfacher zu gestalten und zu beleben, und es entspricht dem vollkommen, daß wir bestimmte Kulte unter staatlicher Autorität aus Griechenland nach Rom über- geführt sehen.— So wurde mian schon früh durch eine gewisse innere Notwendigkeit zur Aufnahme griechischer Tempelformen geführt, noch ehe die geflissentliche Nachbildung aller griechischen Kunstschöpfungen deren Aufnahme zu einem ästhetischen Bedürfnis machte.“ Vergl. die ausführliche Darlegung des hellenischen Einflusses bei Adamy A. I, 4, Kap. VII. So gestattet also die Betrachtung römischer Tempel- ruinen es vielfach, Rückschlüsse auf griechische Tempelformen zu machen oder Vergleiche anzustellen. 1. Der Prostylos.
Die Vorhalle des römischen Prostylos springt um ein oder zwei Säulen weiter vor als die Vorhalle des griechischen Prostylos.
K.-M. Nr. 7. Der Tempel des Vespasian, korinthischer Prostylos hexastylos auf dem Forum Romanum. Er wurde im Jahr 80 nach Chr. durch Domitian dem Kaiser Vespasian erbaut, später von Septimius Severus und Caracalla restauriert und mit der Inschrift versehen: Divo Vespasiano Augusto S(enatus) p(opulus) qdue) R(omanus) imp(eratores) Caes(ares) Severus et Antonius pii felices aug(usti) restituerunt(Inschriften- sammlung des Anonymus von Einsiedeln)= Dem göttlichen Vespasianus Augustus; Senat, römisches Volk und die Im- peratoren Kaiser Severus und Antoninus, die frommen und glücklichen Majestäten, stellten den Tempel wieder her. Von dieser Inschrift ist an dem Fries des Vordergiebels der Rest — estituer— erhalten.«Das Material des Oberbaues ist karrarischer Marmor. Der Stil deutet auf eine spätere Zeit als auf die des Domitian. Die Gliederungen des Gebälks sind mit naturalistischen, technisch vortrefflich ausgeführten Ornamenten überladen; die Unterflächen des Architravs enthalten reiche kassettenartige Füllungen. Architrav und Fries, aus einem Stück gearbeitet, sind an der Giebelseite des Tempels mit einer umrahmten Inschriftentafel bedeckt, während an den Seitenfronten der Fries reichen plastischen Schmuck(Stier-


