Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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Die Tempelstile. Der korinthische Stil. 11

K.-M. Nr. 18 u. 19. Das Amphitheater der Flavier und das Theater des Marcellus. In den zweiten Stock- werken der beiden Gebäude sind dekorative jonische Halb- säulen angebracht. Ihre Basis steht auf hohem Postamente. Voluten, Eierstab, dreifach geteilter Architrav, glatter Fries, mehrfach gegliedertes Kranzgesims sind streng auseinander ge-

halten. Can. IV, Taf. 161, 168. Pir. Le ant. R. IV, Taf. 35, 36, 37. Strack Bl. 9, 10, 11, 25.

c. Der korinthische Stil.

a. Der griechisch-korinthische Stil. Kennzeichen: Basis und Schaft der Säule, Gebälk entweder wie im jonischen Stile oder nur ganz wenig unterschieden. Die UÜbertragung des dorischen Ge- bälkes ist selten und spät. Charakteristisches Merkmal: das Kapitell. Es erscheint oberhalb des Rundstabs in der Gestalt eines Kelches, der aus Akanthusblättern gebildet ist(Acanthus= Bärenklau mit großen gezahnten oder fiederschnittigen Blättern; die acanthus mollis diente Griechen und Römern, die acanthus spinosa den mittelalter- lichen Künstlern als Vorbild für ihre Kapitelle). UÜber die erste Anwendung anmutige, aber erfundene Erzühlung bei Vitruv IV, 1, 9: Eine korinthische Jungfrau starb; ihre Amme sammelte, als sie begraben, ihre Lieblingsblumen in einem Körbchen und stellte sie auf den Grabhügel. Um sie besser zu erhalten, bedeckte sie sie mit einem Ziegel.) Zufällig habe sie das Körbchen auf eine Akanthus- wurzel gestellt, und im Frühjahr haben sich die aufsprießenden Blätter und Ranken an die Außenwände des Körbchens angeschlossen und unter dem Gewicht des Ziegels sich zu Voluten gekrümmt, so daß das Bild eines Kapitells samt Abakus entstand. Der Künstler Kalli- machus habe im Vorbeigehen dies bemerkt und, entzückt von der Schönheit und Neuheit der Form, nach diesem Vorbilde Säulenkapitelle gearbeitet. In Wirklichkeit ist der korinthische Stil eine Weiter- entwickelung der auf S. 10 berührten Umbildung des jonischen Eck- kapitells. Adamy Einf. i. d. ant. K., p. 94. Adamy A. I, 3, 263, 266 ff. Baum. 283 fl. Durm I, 193 ffl. Guhl-K. 83 ff.

Rottmann'sche Aquarell-Skizze. Skizzenmappe im Kupferstichsaale. Gegenstand: Südostseite der Akropolis von Athen mit den Ruinen des Zeustempels, des Olympieions. «Der Tempel war von Peisistratos begonnen, wurde aber erst von Antiochus Epiphanes weitergeführt. Ein römischer Ritter Cossutius wird als Architekt genannt. Die letzte Vollendung, die sich auf den Ausbau des Inneren beschränkt zu haben scheint, rührt von Hadrian her»(Guhl-K. 84). Von den mehr als 100 Säulen des Tempels stehen heute noch 15, eine liegt am Boden. Sie sind aus parischem Marmor gefertigt und«über