Aufsatz 
Die Antikensammlungen des Großherzoglichen Museums in Darmstadt / Ludwig Buchhold
Entstehung
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Die Tempelstile. Der jonische Stil. 9

der Säulenschaft hat zwar 20 Kannelierungen, sie sind aber nicht scharfkantig; Kapitell, Architrav mit Regulae und Guttae, der Fries mit Triglyphen und Metopen, die Viae mit den 3☚ 6 Tropfen, das Kranzgesims mit dem Sima ahmen den dorischen Stil mit Glück nach.

b. Der jonische Stil.

²¹. Der rein jonische Stil. Kennzeichen: Die Säule ist schlanker als die dorische und hat stets eine Basis; deren Teile: 1. der Plinthus (x⁴iv*οςσς), die auf dem Stylobates ruhende quadratische Platte; 2. Hohl- kehlen(coο*ννμο) und ein oder zwei Wülste(tori), durch Astragale ab- gegrenzt. Der Schaft hat 24 Kannelierungen, die nicht mit dem scharfen Rande aneinanderstoßen, sondern durch einen schmalen Streifen von- einander getrennt sind; die Kanäle sind oben und unten halbkreisförmig geschlossen. Das Kapitell: 1. der Säulenhals ist, wenn überhaupt vor- handen, mit Skulpturen verziert; 2. der Echinus zeigt die eigentüm- liche Form des Eierstabs; 3. über dem Echinus die zu beiden Seiten herabrollenden Voluten; Vorderansicht: das Bild einer nach zwei Seiten herabwallenden Doppelspirale; Seitenansicht: das Bild zusammen- gerollter Polster(pulvini), die durch Gurte(baltei) zusammengehalten werden. Besondere Bildung der Eckkapitelle mit Doppelfront. Über den Voluten eine quadratische(skulptierte) Deckplatte. Das Gebälk: 1. Der Architrav zerfällt in drei übereinander hervortretende Streifen (fasciae), darüber Astragalus, Kyma und Abakus; 2. der Fries ist glatt (εαινές) oder mit Reliefschmuck versehen(6πό⁶οωςπ, darüber Astragalus, Kyma; 3. das Kranzgesims ist ausgezeichnet durch die Zahnschnitte (Tetοανες) und gekrönt von dem Sima. Adamy I, 3, 211 ff. Baum. D. 276 ff. Durm I, 166 ff. GuhlK. 79 ff. Von den Werner'schen Akropolisaquarellen, Alt. Gymn., zeigen attisch-jonischen Stil: 1. der Niketempel; hervorzuheben das Fehlen des Säulenhalses, der besonders schöne Schwung der Voluten(Adamy A. I, 3, 228); 2. das Erechtheion; hervorzuheben der breite, mit einem Anthemienkranze geschmückte Säulenhals(Adamy I, 3, 236).

6. Der römisch-jonische Stil. Adamy A. I, 4, 115 ffl. Baum. D. 291. Durm II, 244 ff. Guhl-K. 499.

K.-M. Nr. 1. Sog. Tempel der Fortuna. Der Unter- bau des Tempels besteht aus einem Stereobates von 12 Stufen. Die Säulen kommen in ihren Linien und Proportionen den griechischen Formen am nächsten. Die aus Plinthus, zwei Wülsten und zwei Hohlkehlen bestehende Basis, die 24 durch einen Steg getrennten Kannelierungen des Schaftes, der Eier- stab sind echt jonisch. Hervorzuheben: der Säulenhals ist ganz kurz, die Voluten gehen zu beiden Seiten weniger tief und entbehren des schönen Schwungs der griechischen Form. Das Modell ist instruktiv für Vorder- und Seitenansicht der Voluten(die Polster sind nur durch einen Gurt zusammen- gehalten), für die Bildung der Eckkapitelle: da, wo die Voluten