8 Religiöses Leben der Alten.
baus dargestellt; im Mittelgrunde liegt mitten zwischen und über andern Säulenteilen ein gewaltiges umgestürztes dorisches Kapitell, zu unterst der Abakus, darüber der Echinus und der Säulenhals mit einem Stück des Schaftes. Ein Stück eines Säulenschaftes steht noch aufrecht auf seinem Platze; scharf- kantige Kannelierung deutlich wahrnehmbar.
Rottmann'scher Karton im Kupferstichsaale rechts. Gegenstand: Ruinen zweier dorischer Tempel(der Concordia und der Juno Lucina) in Girgenti. Der vordere Tempel links (Concordia) giebt in dem noch erhaltenen Giebel eine An- schauung des dorischen Gebälks. Architrav, Guttae, Triglyphen, Metopen,(Regulae) und Kranzgesims erkennbar.
B. Der römisch-dorische Stil. Adamy A. I, 4, 111 ff. Baum. D. 289. Durm II, 239 ff. Guhl-K. 498.
K.-M. Nr. 19 das Theater des Marcellus; Nr. 18 das Amphitheater der Flavier. An beiden Theatern ist der dorische Stil in der Form von Halbsäulen an den unteren Stockwerken angewandt; die charakteristischen Merkmale treten am meisten am Theater des Marcellus hervor. Die un- kannelierte Säule steht nicht unmittelbar auf dem Stylobates, sondern es schiebt sich zwischen diesen und den Säulenschaft eine Basis, die aus einer quadratischen Platte und einem Wulste besteht. Der Hals ist durch einen Astragal(horizontal abgrenzenden Reif) von dem Schafte getrennt. Das Kapitell zeigt den durch drei Annuli gezierten Säulenhals, den mäßig hohen und wenig hervortretenden Echinus, den dreigliederigen Abakus(mit einem Kyma, Welle, in der Mitte). Darauf ruht der Architrav mit den Regulae und den sechs Tropfen, der aus Triglyphen und Metopen bestehende Fries; doch sind zwischen je zwei Säulen drei Triglyphen statt einer angebracht, weil die Säulen weiter auseinander stehen. Darüber liegt das Kranzgesims mit Kyma und schmalem Abakus am oberen Rande. Durch die unter dem Kranzgesims liegenden Zahn- schnitte ist die dorische Ordnung durchbrochen.— Das
Kolosseum hat dreiteiligen Architrav und glatten Fries. Can. IV, Taf. 161, 162, 168, 169. Pir. Le ant. R. IV, Taf. 33, 34. Eine moderne Nachahmung des dorischen Stils liegt vor in dem Modell des Brandenburger Thors in Berlin, as'afrik. Saal. Das- selbe ist in den Jahren 1789— 1793 von K. G. Langhans nach Motiven der Propyläen in Athen erbaut. Die Säulen stehen auf einer Basis, die aus einem Plinthus, zwei Wülsten und einem Astragal besteht;


