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Quelle folgen lassen, und müssen deshalb wie- derum zurückgreifen. Drei Jahre nach den oben angeführten„Fabliaux choisis mis en vers“ erschien eine andere Sammlung unter dem Titel: Choix de Fabliaux, mis en vers, Ge- nève et Paris 1788, 2 Bändchen, ohne Anga- be des Verfassers(Imbert.) Gewiss hatte diese Sammlung, wie schon der Titel zeigt, die Ab- sicht, der erstgenannten Konkurrenz zu ma- chen, wenn auch der Herausgeber sagt, dass er ursprünglich die Versificirung nur zum LZeit- vertreib während einer langwierigen Krank- heit unternommen habe. Die Bearbeitung unsrer Cantefable findet sich im zweiten Bändchen unter dem Titel: Aucassin et Nicolette, Poème ou Ro- mance en quatre parties. Air: Avec les jeux dans le village.— Der Verfasser hat, wie er in der Vorrede selbst sagt, vorzüglich die von Le Grand d'Aussy veranstaltete Wiedergabe der altfranz. Fabliaux zu Grunde gelegt, dieselbe Quelle also, aus der auch sein Vorgänger auf diesem Felde geschöpft hat. Dass bei solcher Trans- fusion der Stoffe die alte Originalität abhan- den kommen muss, haben wir oben bereits ge- sagt. Nichts destoweniger müssen wir Imbert das Verdienst lassen, die Geschichten, die er wiedergibt, in recht ansprechender Weise be- handelt zu haben, mit weitaus grösserem Ge- schmack, als dies sein Vorgänger gethan hat.— Was den Aucassin betrifft, so erscheint hier der Stoff ausserordentlich gekürzt; und wenn schon der Verf. es sich, wie er in der Vorrede sagt, als ein Verdienst anrechnet, in Versen knapp zu sein, so hat er doch in diesem Falle seinem Stoffe arg geschadet, der nun einmal etwas epische Breite verlangt. Das Gedicht besteht aus vier Abteilungen von im Ganzen nur 51 Strophen, davon jede wiederum 2 Cou- plets zu je 4 Zeilen fasst. Die Verse sind Achtsilbler, wovon die ungeraden mit klingen- dem Ausgange. Die Diction wie die Reime sind von besonderer Glätte, so zu sagen allzu kunstvoll, die Pointen am Schlusse der Strophen oft zu sehr zugespitzt für den einfachen und natürlichen Stoff. Um ferner recht knapp zu
Sage eines provenzalischen Troubadours.
sein, erzählt der Verfasser zu vieles, ja fast alles selbst, sodass eigentliche Episoden im Ge- dicht nicht vorkommen. Anderseits hat auch
Imbert dem Gefühl zu viel Raum gelassen;
beim Auftreten des Hirten fehlt natürlich die Hirtin und die Erwähnung des zürtlichen Ein- vernehmens zwischen beiden nicht; ebenso ist die Liebe zwischen Aucassin und Nicolete sehr gefühlvoll, indem z. B. der erstere beim Wie- dersehen am Schlusse des Gedichtes vor Freu- den ohnmächtig wird und erst durch die Küsse Nicoletens zu neuem Leben erwacht.
7. Die letzte der Bearbeitungen, welche wir zu besprechen haben, ist wiederum eine dramatische. Sie erschien im„Berlinischen Taschenkalender auf das(Schalt-) Jahr 1820*;3¹) ihr Verfasser ist J. F. Koreff, und sie betitelt sich: Aucassin und Nicolette oder die Liebe aus der guten alten Zeit, nach der Eine romantische Oper von Koreff.— Wie der Ti- tel zeigt, hat der Verfasser Sainte-Palaye's Nachdichtung gekannt. Leider enthält der Jahrgang 1820 des Taschenkalenders nur die beiden ersten Akte der Oper, mit der Notiz am Schlusse, dass sie aus 4 Aufzügen beste- hend bereits dazu vorbereitet sei, um unter Mitwirkung eines Componisten, der Talent und Neigung für diese Art der Darstellung besitze, der Bühne übergeben zu werden.— Ob dies geschehen ist, ob überhaupt die folgenden bei- den Akte noch erschienen sind, kann ich nicht angeben, da bis jetzt meine Erkundigungen hierüber ohne Erfolg geblieben sind. Aller- dings geht aus dem von dem Dichter Heinr. Heine an Koreff gerichteten Sonett) hervor, dass er die Oper ganz gekannt hat. Eventuell konnte ihm diese— Koreff war in Berlin Arzt— handschriftlich mitgeteilt sein. Das Lob, das im besagten Sonette dem Dichter gespendet
¹) Also bereits 5 Jahre vor dem Platen'schen Schauspiel.
²) S. 281 der 40. Aufl des Buchs der Lieder:„Au- cassin und Nicolette“ oder„die Liebe aus der guten alten Zeit“


