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lassen, sieht uns in der vorliegenden Bearbei- tung das superkluge, selbstgefällige Gesicht des Nachdichters fast aus jeder Zeile entgegen und stört die Freude an dem Stoffe fortwährend. Der Verfasser, den vornehmen Cirkeln der Hauptstadt angehörend, schrieb augenscheinlich
seine gereimten Erzählungon für die Damen
und feinen Herren des Hofes, deren Prüderie zu verletzen er sich hüten musste. Deshalb be- merkt er gleich eingangs des Gedichtes, dass dieses nicht nur schön, sondern auch anständig sei, und dass der Frömmste es anhören könne ohne erröten zu müssen.
Aucassin ist ein ganz manierlicher junger Mann geworden, der sich die tollen Hörner abgelaufen hat. Sein ungestümer Liebestrotz, der nach Gott und der Welt nicht fragt, hat sich gelegt, und ganz bescheiden tritt er dem Pflegevater Nicoletens gegenüber, um ihn über den Verbleib des Mädchens zu befragen. Der Vicomte redet ihm als älterer Mann und väter- licher Freund in's Gewissen, und Aucassin ent- fernt sich ohne nur ein Wort zu erwidern, aber jedenfalls mit einer Verbeugung.— Den Grafen von Valence, Florestan geheissen, be- siegt er in regelrechter Feldschlacht und gibt ihm, als er ihn wieder in Freiheit setzt, zum Zeichen dessen seinen Degen zurück. Woran aber lag es, dass dieser Florestan so nachhal- tig die Stadt Beaucaire hatte schädigen können? Weil ihr ein General fehlte, welcher mit Um- sicht die Verteidigungsanstalten hätte leiten kön- nen. Aucassin wäre ein solcher General ge- wesen, doch bekanntlich wollte er nicht. Dies gibt dem Dichter zu der Erwäügung Anlass, ob nicht der Vicegraf hätte die Heeresleitung übernehmen können. Indessen kommt er zu der Ansicht, dieser, welcher insgeheim die Neigung des jungen Grafen zu seiner Pflege- tochter begünstigte(wovon bekanntlich im Ori- ginal das gerade Gegenteil der Fall), habe leicht sich zum Herrn der Stadt machen und die Heirat des Paares erzwingen können.— Solche höchst störende Einwürfe macht sich überhaupt der Verfasser öfters, um sie in län-
gerer Rede zu widerlegen. So sagt er S. 5:
Mais Aucassin est endurci.
Endurci! non, il n'est que tendre;
Darauf folgt ein Abwägen der Gründe, wes- halb der alte Graf vernünftiger gehandelt habe, hätte er in die Vereinigung des Paares zeitig eingewilligt. Ausschlaggebend ist endlich der für den adligen Verseschmied, dass das Haus der Grafen von Beaucaire, bekannlich nur noch auf vier Augen stehend, ausgestorben wäre, falls Aucassin von seinen spätern Irrfahrten nicht zurückgekehrt sein würde.
Wie interessant erscheint nicht Nicolete, wenn sie, in dem Turm eingeschlossen, folgen- den Vergleich aushalten muss:
c'est Danaé dans sa prison;
c'est Philomèle, que Térée
daus une tour a retirée.
c'est Gabrielle de Vergi! u. s. w.
Fügen wir noch hinzu, dass die Hirten, denen Aucassin seine Fragen in Betreff Nicoletens vorlegt, kein Mal die Achtung aus den Augen setzen, die sie ihrem jungen Herrn schuldig sind; dass Nicolete, um nach Beaucaire zurück- zukehren, einen„mattre de violon“ engagirt um die Musik zu lernen; dass sie in wortgetreuer Auslegung der Stelle, wonach sie sich Gesicht und Hände schwarz färbt, nun auch als Mohr und Afrikaner bezeichnet wird, so mag das Gesagte genügen um darzuthun, wie tief diese Nachdichtung unter dem Originale steht.
Gleichwohl können wir von ihr nicht schei- den, ohne sie noch einmal bei der Besprechung einer andern, den Stoff des Aucassin verwer- tenden Dichtung in den Kreis unsrer Betrach- tung hereingezogen zu haben.
5. Das Gedicht, von dem wir reden, ist des Grafen von Platen Schauspiel„Treue um Treue“;¹) dasselbe ist um so beachtenswer- ter, als der Stoff des Aucassin uns hier, wenn wir von jenem dramatisch unbedeutenden Opern- texte Sédaine's absehen, in dem neuen Gewande des Dramas entgegentritt.— Platen kannte ¹) A J. J. 1825.
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