2. Hinwiederum lediglich eine wortgetreue (englische) Uebersetzung des von Le Grand d'Aussy gebotenen Auszuges, mit alleiniger Fortlassung der Vorrede und geringer Aende- rung der Schlusszeilen, findet sich unter dem Titel: Aucassin and Nicolette in der Novellen- sammlung: The feudal Period; illustrated by a series of tales romantic and humorous,
by W. Carew Hazlitt. London 1873.1)
3. Weit besser als die von Le Grand d'Aussy veranstaltete, ist die Wiedergabe des Aucassin in der Histoire de la Poésie proven- çale von Fauriel. ²) Der Verfasser benutzte hierzu die Ausgabe der Handschrift von Méon, infolge dessen er im Stande war, den Text meist wortgetreu wieder zu geben. Leider schliesst das Manuscript seiner Vorlesungen,— denn nach diesen wurde bekanntlich die He- rausgabe der Hist. de la poésie prov. von einem seiner Zuhörer nach des Verfassers Tode veranstaltet, bei dem Punkte der Erzählung ab, wo Aucassin mit Nicolete den Wald verlässt, um seine Irrfahrt anzutreten. Immerhin bleibt die Wiedergabe bemerkens- wert, um so mehr als Fauriel die Mehrzahl der Gesangsstücke, in's Neufranzösische übertragen, mit möglichster Beibehaltung der Assonanz und des Versmasses seinem Texte einyverleibt hat. Sein Versuch, das Epos der provencçali- schen Litteratur zuzueignen, ist bereits von G. Paris in dessen Vorrede zu Bida's Uebersetzung aus guten Gründen zurückgewiesen worden.
4. Eine deutsche Bearbeitung des Stoffes, in der Weise des Le Grand d'Aussy, gab E. v. Bülow in seinem Novellenbuch. ³) Der Ver- fasser legte seiner Wiedergabe die Bearbeitung
¹) Dieselbe Sammlung war schon 1786 erschienen unter dem Titel: Tales of the Twelfth and Thirteenth Centu- ries, und 1789 unter dem Titel: Norman Tales.
2) im 3. Bande.
³) Novellenbuch oder hundert Novellen nach italienischen, spanischen etc., bearbeitet von Eduard von Bülow. Leipzig, 1836.
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von Sainte-Palaye aus dem Jahre 1760 zu Grun- de, wie er selbst in der Vorrede zum 3. Ban- de, in dem sich die Novelle findet, aussagt; doch benutzte er auch, um die von jenem ausgelassenen Stellen zu ergänzen, die Ausga- be von Le Grand d'Aussy. Den altfranzösi- schen Text hat Bülow, wie er ebenfalls ver- sichert, nicht zu Gesichte bekommen. Die as- sonirenden Abschnitte hat er durchweg in Prosa verwandelt; im übrigen aber hat er die Wie- dergabe des Stoffes nicht ohne Verständnis be- sorgt. Dass er bereits als feststehend annimmt, das Gedicht gehöre ursprünglich der provença- lischen Poesie an, und die Entstehung des alt- französischen Textes in die Zeit des heil. Lud- wig verlegt, darf nicht Wunder nehmen, da er sich hierin auf andre verliess. Dagegen ist seine Behauptung, die Cantefable habe sich schon damals einer grossen Beliebtheit erfreut, wenn auch wahrscheinlich, so doch durch nichts be- legt, da bekanntlich nirgends in der gleichzei- tigen und folgenden Litteratur sich eine Erwäh- nung des Aucassin findet.
5. Ein kurzer Auszug aus unsrer Novelle findet sich in dem Werke: La France au temps des croisades, par M. le Vete de Vaublanc Paris 1849, tome III. Zwar gibt der Ver- fasser die gereimten Stücke wieder, doch er- zühlt sich nicht, wie bei andern, die Geschichte selbst, und auch jene finden sich nur wie Citate, ähnlich andern Stellen des altfranzösischen Ge- dichtes, dem Texte eingestreut.
Man könnte auch nicht sagen, dass der Herausgeber in diesen Citaten glücklich ge- wesen sei. S. 233 u. schreibt er: et soupe en maderin(11,15) statt maserin. In demsel- ben Abschnitt lässt er den Bettler nicht all- gemein aus Limosin, sondern aus Limoges sein. Les nuits coies(v. quoi quietus ruhig) (12,4) gibt er mit les nuits froides. Z. 20 dess. Abschn. schreibt er: la face traitiée statt traitide, und übersetzt dieses Wort mit ovale. S. 236 gibt er caéier mit chercher. S. 231 heisst es:
Douée amie, que sai je ou?(27,11).


