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leitung, gleichfalls aus der Feder dieses Gelehr- ten, dem Leser treffliche Aufschlüsse gibt über die Zeit und die Gegend, in der das Gedicht entstand, über das Wesen der fahrenden Sän- ger, über die Art des Vortrags und die Musik ihrer Lieder, und dergl. mehr.— Die Ueber- setzung Bida's, mit der wir uns hier zu beschäf- tigen haben, hat die Frische und Lebendigkeit des Originals in den Prosaabschnitten mit Glück erstrebt. Weshalb ihr dieses in den Gesangs- partieen nicht in gleicher Weise geglückt ist. hat bereits Prof. Suchier in einem Artikel für die Augsburger Allgem. Zeitung(Ausg. vom 1. Dec. 1878), betitelt: Bida's neuestes Pracht- werk, dargethan: es ist die Einführung der achtsilbigen Verszeile statt der lebendigen sie- bensilbigen. In wie fern der Herausgeber Recht oder Unrecht gehabt habe, die Reise nach To- relore fortzulassen, haben wir bereits an andrer Stelle besprochen.— Ein besondrer Schmuck, den Bida's Künstlerhand dem Aucassin verlie- hen, sind die feinen Zeichnungen, deren an- spruchslose Haltung besonders gut zu dem Tone des Gedichtes stimmt.
3. Bereits im Jahre 1833 erschien eine deutsche Uebertragung der Cantefable im Ta- schenbuch„Minerva“(Leipzig, Fr. Fleischer), unter dem Titel: Aucassin und Nicolette. Alt- französisches Fabliau. Dem Originale getreu nacherzühlt von O. L. B. Wolff.— Der Ver- fasser hat, was hervorzuheben ist, den altfran- zösischen Text selbst, und zwar nach der Aus- gabe von Barbazan u. Méon, übertragen. Sei- ne Uebertragung ist im Ganzen correkt) und zeugt von dem vollen Verständnis des Originals. Auch die assonirenden Abschnitte hat Wolff in gebundener Rede, freilich nur im Silbenfall
¹) Wir heben nur einige wenige, besonders auffallende Verstösse hervor. 2,3 übersetzt er ajornés mit ne- blicht. 6,38 li vairs et li gris mit Grau und Grün, was natürlich keinen Sinn gibt. Ebendas. li roi deil siecle: der König der Welt(⸗diabolus). 8,23 la u je fiere cevalier né autres mi: wo ich Ritter töte oder Andere. 12,24 lässt er die Worte: ausi con ce fuissent II: nois gauges ganz aus.
des Originals, ohne Endreim oder Assonanz, wiedergegeben. Doch sind sie nicht ohne Schwung, ebenso wie in den Prosaabschnitten der einfache Erzählerton richtig getroffen ist. Wir können sagen, dass, hätten wir keine voll- kommen mustergiltige Uebersetzung, diese ge- nügen würde, um von der Schönheit des ur- sprünglichen Gedichtes bereits eine ausreichen- de Vorstellung zu gewähren.
4. Diese beste Nachdichtung, eine, welche nicht blos den Inhalt, sondern auch die Schön- heit der Form der alten Cantefable in vollen- deter Weise wiedergibt, ist daher noch immer die ebenfalls deutsche: Aucassin und Nicolette. Altfranzösischer Roman aus dem 13. Jahr- hundert, übersetzt von Dr. Wilhelm Iertz. Troppau 1865.1) Dieses Meisterwerk deutscher Sprachkunst, das getreue Abbild des Originals, kann wohl erreicht, doch schwerlich übertroffen werden.
B. Die Bearbeitungen, welche nur den Inhalt, und auch diesen oft nur in Gestalt eines Auszuges, zuweilen mit teilweiser Uebertragung der Gesangspartien, wiedergeben.
1. Die von Le Grand d'Aussy) in die Sammlung seiner Fabliaux ou contes auf- genommene Erzühlung„Aucassin et Nicolette“ ist lediglich eine Prosawiedergabe der Nach- dichtung Sainte-Palaye's ohne Benutzung der Handschrift, die der Verfasser allerdings gesehen zu haben behauptet. Ein vergleichender Blick auf die Ausgaben beider Autoren wird das Gesagte ohne Mühe bestätigen. Kaum dass Le Grand hier und da andere Worte gebraucht, die Perioden umstellt und höchst überflüssige Zusätze anbringt.
¹) jetzt Leipzig. Brauns.
²) Fabliaux ou contes. Paris. 1779; dann 1781 u. öfter aufgelegt. 1827 erschien die schöne Grossoctavausgabe, welche ausser einer Ausgabe des altfranz. Textes des Aucassin von Francis que Michel auch Stahlstich- illustrationen von Moreau brachte.


