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Les amours du bon vieux tems, Vaucluse et Paris 1752.1) Der Herausgeber bemerkt da- rüber in seiner Vorrede, dass er nichts anderes beabsichtigt habe, als den Originaltext, bisher nur von wenigen gekannt und verstanden, in ein allgemein verständliches(Neu-) Französisch umzukleiden. Dabei habe er gewissenhaft die kindliche Einfalt des Dialogs in den Prosaab- schnitten wiederzugeben gesucht; in den gereim- ten aber habe er nicht immer ebenso genau Mass und Reim innegehalten.— Es lässt sich nicht leugnen, dass der letztere Umstand seinem Werke zu einigem Nachteile gereicht. Der Verfasser wollte zu gewissenhaft Wort und Sinn wiedergeben, und scheute sich daher, dem Sil- benmasse Opfer zu bringen. So kommt es, dass in den gereimten Abschnitten Sechs-, Sie- ben- und Achtsilbler in buntem Wechsel ein- ander folgen, und dass einzelne Abschnitte(wie z. B. Abschn. 3) selbst unvollständig assoniren. Da der Verfasser dem ursprünglichen Gedicht allzu getreu bleiben wollte, hat er sich, was die gesungenen Partieen anlangt, mehr von dem- selben entfernt, als dass ein mit dem Original nicht Vertrauter sich ein Bild von der Leben- digkeit und Frische dieser Abschnitte entneh- men könnte. Aber auch in den Prosaabschnit- ten liess der Verfasser hier und da Kürzungen eintreten. Statt(wie es Abschnitt 2,2 heisst): guere si grande et si mervelleuse et si mortel, schreibt er kurz: une si cruelle guerre. An andern Stellen wieder macht er überflüssige Zusätze. Statt des einfachen: soumax li prist (18,5) setzt er weit schwächer: à force d'acca- blement elle s'y endormit. Als Graf Garin sei- nen Sohn in Freiheit setzt(Abschn. 20), glaubt er die Worte délivré de ses craintes hinzufügen zu müssen. Besonders entzog der Herausgeber aber dadurch seinem Werke viel an Lebendig- keit, dass er die kurzen, lebhaften Hauptsätze des Originals zu Nebensätzen zusammenzog. Einige Beispiele werden genügen. Die Worte
¹) Sie erschien zuerst in der Zeitschrift Mercure. Die Spe- zialausgabe wurde 1756 und 1760 neu aufgelegt.
des Textes(2,5): si li ardoit sa terre et gastoit son pais etc. lauten bei Sainte-Palaye: brülant sa terre etc. Ferner(10,31): Li quens Bou- gars de Valende oi dire etc. Le Vicomte(muss Comte heissen) de Valence qui avait.... ac- courait etc. oder 10,41: Tes enfanées devés vos faire etc. Sans songer davantage à vos folles amours etc.
Auch hat sich Sainte-Palaye, trotz der in der Vorrede ausgesprochenen Maxime, das Ge- dicht so wie es sei unverändert wiederzugeben, doch gescheut, die spottenden Worte Aucassins über das Paradies und die welche da eingehen seiner Uebertragung einzufügen. Mit Rück- sicht auf die Zeitverhältnisse, unter denen er schrieb, mag dies einigermassen erklärlich sein. Seltsam aber sind einige Missgriffe; so wenn er(12,23) statt:(Nicolete) avoit les ma- meletes dures qui li souslevoient sa vesteüre, ausi con Ge fuissent-II nois gauges— schreibt: ses dures pomelettes surpassèrent la blancheur de deux noix nouvelles fraichement écorcées.
Bei alledem ist Sainte-Palaye's Wiederga- be eine vortreffliche Leistung, und die neuere französische Litteratur hatte ihr bis in unsere Zeit keine andere an die Seite zu stellen, wel- che den poetischen Stoff mit gleicher Treue und Lebendigkeit reproducirte. Er ist zugleich bis auf den heutigen Tag der einzige französi- sche Schriftsteller, der es über sich vermocht hat, den Inhalt des Gedichtes(bis auf die eine oben angeführte Kürzung) vollständig und ge- treu wiederzugeben; der es überhaupt nur ver- sucht hat, dem Dichter gerecht zu werden, in- dem er in der Vorrede zu seiner Ausgabe eine Würdigung der vielgeschmähten Episode der Reise nach Torelore unternimmt.
2. Die zweite Nachdichtung in neufranzö- sischer Sprache, mehr denn hundert Jahre nach jener ersten erschienen, betitelt sich: Aucassin et Nicolette, chantefable du douzième siècle, traduite par A. Bida, Paris 1878. Ihr schliesst sich eine neue kritische Ausgabe des alten Tex- tes, besorgt von G. Paris, an, indes eine Ein-


