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ihren Worten zurückbleiben.¹) Dass dem fah- renden Sänger aber solche Intentionen nicht fern liegen, beweist uns seine kühne Verspottung der Priester und ihres Anhanges(Abschn. 6).
Ich sagte schon oben, dass unsere Novelle den Charakter des Märchenhaften an sich trägt. So müssen wir uns auch allerlei Seltsamkeiten gefallen lassen, neben dem hochpoctischen das derbkomische, neben der Tragik den sprudeln- den Humor einer tollen Laune. Wie Sainte- Palaye treffend bemerkt, will das vorliegende kleine Epos gar kein Mustergedicht sein.„Es hat der Fehler genug und gibt sich nicht ein- mal die Mühe sie zu verbergen.“ Zudem muss man die Zeit berücksichtigen, für welche der Roman gilt,— sowie dass Aucassin und Nico- lete selbst mit den betreffenden Thorheiten in keinen Zusammenhang gebracht werden. Aber der Dichter kann verlangen, dass ihm mit sei- nem eigenen Masse gemessen wird; und wer es daher unternimmt, sein Werk der Nachwelt mitzuteilen, der thut ihm grosses Unrecht, wenn er nur seinen eigenen Geschmack walten lässt.
Was die Sache selbst anlangt, die uns in der Episode des Königs von Torelore vorge- führt wird, so ist von Sainte-Palaye, Hertz, Su- chier u. a. bereits ausführlich darüber gespro- chen worden. Es bleiben nur noch über die Idee und Entstehung des Männerkindbettes einige Worte zu sagen. Denn diese ist nicht, wie Hertz mit Fr. Michel annimmt, darin zu suchen, dass der Mann alles, die Frau nichts sein sollte; es ist vielmehr damit folgendermassen.
Die trotz ihrer verschiedenen Formen aus einer Wurzel hervorgewachsenen Ceremonien, die dem Vater während der Schwangerschaft der Frau oder bei der Geburt des Kindes zur Pflicht gemacht werden,(die ihm bald beson- dere Speisen oder Handlungen verbieten, bald an Stelle der Frau das Wochenbett hüten las- sen, bald einen ascetischen Cursus geistiger Bussübungen auferlegen,) hängen alle unter sich und mit einander zusammen. Die Be-
¹) s. Hertz. Auc. u. Nic.
obachtung dieser Regeln von Seiten des Vaters ist auf die Vorstellung eines unmittelbar fort- bestehenden Zusammenhangs zwischen Erzeuger und Kind, eines sympathetischen Rapports zwi- schen beiden, begründet; die Couvade speciell ist eine mehr unwesentliche Zuthat, die den Zweck hat, die Krankheitsteufel der Puerperalfieber zu täuschen, und das Neugeborene wirksamer gegen nachstellende Dämonen(die gern Wech- selbälge unterschieben) zu schützen.:)
Um sein Gedicht zu Ende zu führen, wählte der Dichter ein Mittel, das ihm offenbar seine Bekanntschaft mit Fl. u. Bl. an die Hand gab. Eine sarazenische Flotte macht, wie im Eingang jenes Gedichtes, einen Einfall in das südliche Frankreich. Die Stadt Torelore wird mit Sturm genommen; Aucassin wird in ein Schiff, Nicolete in ein anderes gebracht(vgl. hierzu Fl. u. Bl. II, 175). So findet der Dich- ter Gelegenheit, uns mit der Heimat und Her- kunft Nicoletens bekannt zu machen, Aucassin aber mit Hülfe eines Sturmes in sein Vaterland zurück zu bringen. Hier erfährt er den Tod seiner Eltern und tritt infolge dessen die väterliche Erbschaft an. Es heisst von ihm:
A. u. N. 34,13. Quant éil de Biaucaire virent lor damoisel, s'en fisent grant joie, car.... ses peres et se mere estoient mort. II le menerent u castel de Biau- caire si devinrent tot si home, si tint se tere en pais. und
35,3. Le pais et le regné tint trestout en quiteé.
Dieser Schluss stimmt, wie bereits oben besprochen, wieder zu dem von Fl. u. Bl., nur dass Floire bereits am Hofe des Admiral die
Kunde von dem Tode seines Vaters erhält. ²) Fl. u. Bl. I, 2891. De son pere noncent la mort,
Et de sa mere le doel fort.
...... ci venu somes,
Que en vostre terre venez:
Toute est en pais;tres-bien l'aurez. und En son pais est revenus,
Et a grant joie receus.
Fl. u. Bl I, 2931:
¹) A. Bastian: Zur vergleichenden Psychologie, in Lazarus' u. Steinthal's Zeitschr. für Völkerpsychologie u. Sprach- wissenschaft, Bd. V. Heft 3. S. 153 ff.
2²) Die zweite Bearbeitung von Fl. u. Bl. kann hier nicht berücksichtigt werden, da sie ohne Schluss ist.


