Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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Sanballat der Choronite und Tobia der Ammonite, denen Nehemia ein ungelegener, unangenehmer Gaſt geweſen ſein mußte, von allen Plänen und Abſichten deſſelben aufs Genaueſte unterrichtet. Von Neuem wurde ihr Neid angeſtachelt, ihr Groll zu verderblichem Haſſe angefacht. Spott und Verdächtigungen wurden jetzt gegen die Juden geſchleudert und wiederum die boshafte Behauptung ausgeſprengt, der Aufbau Jeruſalems gliche einer offenen Empörung gegen den König. Zunächſt und zuvörderſt ſollte das jüdiſche Volk ſelbſt durch ſolche Schmähreden eingeſchüchtert und ab⸗ geſchreckt werden, um ſich an dem aufrühreriſchen Werke nicht zu betheiligen, das die Strafe aller Derer, die Hand daran legten, nach ſich ziehen würde, zugleich aber nochmals ein ernſter Verſuch gemacht werden, eine Vereinigung mit den Juden zu erzielen. Doch die Samaritaner und ihre Anhänger hatten ſich zu ſehr in eine Verrätherrolle gegen die Juden eingelebt, als daß eine Verbindung mit ihnen von Seiten der wahrhaft jüdiſch geſinnten Männer hätte gebilligt werden können.

Mit zuverſichtlichem Bewußtſein, ſtammend aus dem felſigen Grunde eines ehrlichen ſelbſt⸗ loſen Charakters, ließ ihnen Nehemia bedeuten, daß durch die Hülfe Gottes und durch den Fleiß ſeiner Diener das Werk werde raſch und rüſtig von Statten gehen, ſie aber ſollten nicht Recht und Theil und Andenken an Jeruſalem haben.

Die Feindſchaft der Samaritaner gegen die Juden wurde von Tag zu Tag bitterer, ihre Nachſtellungen nahmen einen immer gefährlicheren und bedrohlicheren Charakter an. Um den in ihren Herzen brennenden Haß zu löſchen, tröſteten ſie ſich mit eitlen Einbildungen:Kann man Steine aus Schutthaufen wieder lebendig machen, da ſie doch verbrannt ſind? meinte Sanballat. Sie mögen bauen, wie ſie wollen, wenn ein Schakal dagegen anrennt, bricht er ihre ſteinernen Mauern durch rief ſpottend Tobia.

Doch da Hohn und Verrath nichts ausrichteten und die Mauern zuſehends in die Höhe wuchſen, beſchloſſen die Samaritaner zu dem letzten Mittel, zur Gewalt, ihre Zuflucht zu nehmen und plötzlich einen Angriff auf die Bauenden zu machen und die Mauern zu zerſtören. Unbemerkt und verſtohlen gedachten ſie in die Stadt einzufallen und alle Arbeiter niederzumachen. Nehemia erhielt aber noch rechtzeitig von dieſen geheimen Plänen durch unter den Samaritanern wohnende Juden Kunde und Winke, wodurch er ſich veranlaßt ſah, ſofort Vorſichtsmaßregeln zu treffen, auf allen wichtigen Punkten Wachpoſten aufzuſtellen, was wenigſtens den Vortheil brachte, daß die Samaritaner einen augenblicklichen Ueberfall nicht wagen konnten.

Ein Theil der Bauenden ſtand mit den Werkzeugen der Arbeit in der Hand, ein anderer mit Schwert und Schild und Lanz' und Bogen bewafnnet, bereit alle feindlichen Angriffe abzu⸗ wehren und zurückzuſchlagen. Unter dem Schutze der Waffen und der Gefahrſignale, die recht⸗ zeitig auf jeden feindlichen Ueberfall aufmerkſam machen ſollten, wurde bei der unermüdlichen Thätigkeit der Arbeiter, die mit dem Morgenroth ihr Werk begannen und bis in die ſpäte Nacht bei Sternen⸗ und Lichterglanz daſſelbe noch fortſetzten, der Bau bald ſo weit zu Ende geführt, daß keine Lücke in demſelben mehr zu ſehen war. Abermals ſuchten die Samaritaner durch einen ſchlauen Handgriff das mit ſo vielen und ſchweren Hinderniſſen vollendete Werk zu vernichten. Der kleine Umſtand, daß die Flügel der Thore noch nicht angebracht waren, ſollte ihren zer⸗