Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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ſtörungsſüchtigen Plänen zu Gute kommen, nur mußte vorerſt Nehemia, der ihnen ſo ſehr ge⸗ wachſene Gegner, aus dem Wege geräumt werden. Er wurde zu dieſem Zwecke von Sanballat und Geſchem zu einer Zuſammenkunft nach Kefirim eingeladen, ließ ihnen aber in ganz officiellem Tone, als ob er nichts Arges vermuthete, ſagen, er ſei jetzt zu ſehr von einem großen Werke in Anſpruch genommen, welches ohne Nachtheil keinen Verzug erleiden könne und ſie würden es wohl ſelbſt einſehen, daß er bei dieſer Sachlage nicht abkommen könne. Indeſſen war es ihm nicht unbekannt, daß ſie ſeine Ermordung im Schilde führten. Noch dreimal erhielt er dieſelbe Aufforderung und dreimal gab er dieſelbe Antwort. Hierauf erhielt Nehemia von Sanballat ein offenes Schreiben, worin die Verleumdung in rückſichtsloſeſter Frechheit auftrat. Er hörte, hieß es darin, daß die Juden gegen die perſiſche Herrſchaft ſich aufzulehnen gedenken und daß er, Nehemia, zum Könige ſich wolle ausrufen laſſen, darum ſollte er ja, bevor davon dem Könige von Perſien eine Meldung gemacht werde, ſich zu einer Beſprechung mit ihm einfinden. Nehemia aber wies eine ſolche Zumuthung mit gebührender Entrüſtung zurück, er war zu ſtolz und zu maßvoll, um ſich in eine Conſpiration mit dem ränkevollen verrätheriſchen Sanballat einzulaſſen. Auch unter den Juden gab es damals viele, die mit Sanballat und den Feinden Nehemias gemeinſame Sache machten und die als Werkzeuge dienen ſollten, um ſich ſeiner zu entledigen. Feile, falſche Propheten traten auf, welche ihn veranlaſſen ſollten, in's Innere des Tempels zu entfliehen, um den Nachſtellungen zu entgehen, damit dadurch an ihm der Schein der Schuld deſto ſicherer hafte, und um ihn zugleich in den Augen des Volkes als einen Geſetzesübertreter hinzuſtellen. Doch alle Pläne und Verſuche ſcheiterten an der Einſicht, Umſicht und Vorſicht dieſes klugen, ehrlichen thatkräftigen Mannes, alle Pfeile, gegen ihn abgedrückt, brachen an ſeiner felſigen Bruſt, unter der ein edles biederes Herz geſchlagen.

Jeetzt erſt, nachdem die Feinde verſtummt und erſchlafft waren, konnte die alte Thätigkeit Eſras im Vereine mit Nehemia von Neuem wieder aufgenommen werden. Die Mauern der Stadt wurden eingeweiht, die Feſte in öffentlicher Volksverſammlung begangen. Esra ſelbſt, unterſtützt von Prieſtern und Leviten, las am erſten des Tiſchri auf einer eigens zu dieſem Zwecke errich⸗ teten Rednerbühne aus dem Peutateuche vor, deſſen Inhalt in die Volksſprache übertragen und erklärt wurde. Alle Anweſenden erhoben ſich aus Ehrfurcht vor dem heiligen Buche des Geſetzes, Thränen entſtrömten den Augen der Zuhörer, die es jetzt erſt ſo recht einſahen, wie weit ſie abgewichen von den Lehren der Väter, wie die Propheten vergebens in ihren Reden auf das reine Gold der eigenen Lehre hingewieſen, das ſie gegen eitle, wahnhafte, erborgte Flitter vertauſcht hatten. Aufgefordert vom Trauern zu laſſen und ſich der Feſtesfreude hinzugeben, kam das Volk am nächſten Tage wieder, wobei auf das kommende Laubhüttenfeſt die allgemeine Auf⸗ merkſamkeit gelenkt wurde.

Am vier und zwanzigſten Tage deſſelben Monats wurde ein Faſttag gehalten. In erha⸗ benen Zügen zog da die Geſchichte der Vergangenheit an des Volkes Seele vorüber, es wurde zur ſtrengen Feier der Sabbate und Feſte aufgefordert, das Sabbatjahr ſollte von nun ab regelmäßig eingehalten werden und jeder Inde durch eine Tempelſteuer ſeine dauernde Anhäng⸗ lichkeit und Zugehörigkeit zur Gemeinde bekunden, nach Jeruſalem, das noch wenig bewohnt war, ſollte der zehnte Theil der Bevölkerung überſiedeln, und mit verſchärfter Strenge wurde wiederum