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welchem Prieſter, Gegner Esras, den Dienſt verſahen, blieb verſchont und unangetaſtet. Doch Esra war ein Mann der Feder und nicht des Schwertes, ein Mann der Lehre und nicht des Krieges.
Er bedurfte, um ſeine Abſichten zu verwirklichen, der Stütze eines einflußreichen, von Perſien mit Macht verſehenen Genoſſen, der, wenn auch nicht ſo kenntnißreich, doch geſinnungsgleich mit ihm, bereit geweſen wäre, durch die kühne That ſeinen Lehren Kraft, Nachdruck und Bedeu⸗ tung zu verleihen, und dieſe ſollte ihm gar bald werden.
Die Juden von Perſien ſtanden in beſtändigem regem Verkehr mit ihren Brüdern in Paläſtina und nahmen an ihren Geſchicken den innigſten Antheil. Die angeſehenſten Männer verlangten von zurückkommenden Juden Bericht und Beſcheid über die Verhältniſſe in Paläſtina. In eine ſehr düſtre, ernſt nachdenkliche Stimmung wurde durch die Schilderungen Hanains von den Zuſtänden in Jeruſalem beſonders der Mundſchenk des Königs Artaxerxes, Nehemia, verſetzt. Dieſe an ihm ſonſt ungewohnte Stimmung konnte dem Könige nicht entgehen und als er und ſeine Gemahlin auf ihre Anfragen hierüber von ihm die Antwort erhielten, daß der Schmerz über Jeruſalem, wo die Gräber ſeiner Väter zerſtört lägen, jede Freude aus ſeiner Seele bannen müſſe, erhielt er wegen ſeiner außerordentlichen Beliebtheit die gewünſchte Erlaubniß, mit ſehr wirkſamen Empfehlungsbriefen ausgeſtattet, für eine Zeit ſich als Landpfleger nach Jeruſalem begeben zu dürfen, um daſelbſt Stadt und Mauer aufzubauen.
Nehemia war ſo recht dazu geſchaffen Eſra den Schriftkundigen, der jetzt in den Hintergrund tritt, zu ergänzen und in ſeinen Plänen aufs eifrigſte zu unterſtützen, denn wenn er auch kein Lehrer des Geſetzes war, ſo war er hierfür erfüllt von echter Liebe und heiligem Eifer für daſſelbe.
Der neue Landpfleger war mit ſo vortrefflichen Eigenſchaften ausgerüſtet, wie ſie nur ſelten bei einem Manne ſich vereinigt finden. Erfüllt von glühender Liebe zu ſeinem Volke, beſaß er eine außergewöhnliche, unverdroſſene Energie für das einmal als gut Erkannte; ehrgeizig und doch nicht neidiſch, prachtliebend und zugleich geeignet, ſich alle Entbehrungen, wenn es die Umſtände erheiſchten, aufzulegen, verſtand er es durch Unerſchrockenheit, Einſicht, Geduld und Ausdauer die Angelegenheit ſeines Volkes einem gedeihlichen glücklichen Ziele entgegenzuführen, Gefahren ſiegreich abzuwehren, die errungenen Vortheile zu ſichern und durch neue Erfolge noch zu vermehren. Er floh aus Eifer für die gute Sache nicht nur alle Annehmlichkeiten einer üppigen Lebensweiſe, die er in ſeiner Eigenſchaft als Landpfleger hätte führen können, ſondern entſagte, wenn es nothwendig erſchien, ſelbſt den unumgänglichſten Bedürfniſſen und Gewohnheiten und gab ſo Anderen ein ſchönes Beiſpiel ſelbſtloſer Hingabe an die Intereſſen der Ge⸗ ſammtheit.
Nehemia, durch Hanani gewiß von allen bisherigen Vorgängen bis aufs Einzelſte benach⸗ richtigt, hatte aus Furcht vor feindlichen Angriffen ſich mit einer perſiſchen Schutzwache zur Be⸗ gleitung verſehen.
Die Samaritaner, die die Geſchehniſſe bei den Juden genau beobachteten, hatten es gewiß erfahren, daß Nehemia, der Günſtling des perſiſchen Königs, im Anzuge begriffen ſei, ſie wußten durch ihre Beziehungen zu den Satrapen von allen Anordnungen und Beſchlüſſen, die bei Hofe getroffen wurden. Bevor noch die Juden ſelbſt in das nur durch perſönliche Recognoscirung
erkennbare Vorhaben des Landpflegers eine klare Einſicht erlangen konnten, waren bereits 2*


