Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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treten und wurden daſelbſt die Mauern der Stadt und viele Bauten ohne jedwede Störung aufgeführt. . Doch durch Esra wurde die in Paläſtina eingetretene Stagnation bald unterbrochen, da er durch ſeinen Eifer das Volk zu neuer Thatkraft, zu neuem Leben erweckte. Derſelbe, von dem Prieſter Chilkija abſtammend, hat ſich in Babel, wo weil ohne Tempel und Opferdienſt, ſtrenger auf die Feier der Sabbate und Feſte gedrungen und mehr Eifer auf das Studium des Geſetzes verwendet wurde, wo Gebet und Belehrung ihren belebenden erfriſchenden Anfang in der jüdiſchen Gemeinde genommen, mit großem Erfolge der Erforſchung der Lehre hingegeben und hatte alle Hohenprieſter und Prieſter in der Kunde des Geſetzes weit hinter ſich zurückgelaſſen. Er war ein Mann von hoher Einſicht, ein denkender Betrachter der jüdiſchen Vorzeit, Gegenwart und Zukunft, der, wie ein echter, von dem letzten Propheten Maleachi geſchilderter Prieſter, in ſeinem Munde bewahrte das lebendige Wort der Lehre, und der darum auch, vermöge dieſer ſeiner Er⸗ kenntniß, recht dazu geeignet war, mit den vorhandenen Ueberreſten des Alterthums und mit den übrig gebliebenen Schätzen des Nationalheiligthums einen dauernden grundlegenden Unterbau für den Aufbau des ganzen jüdiſchen Geiſteslebens bis auf unſere Tage hinab zu ſchaffen. Er bahnte ſich den Weg zum Könige Artaxerxes und war bei ihm bald zu ſo großer Gunſt gelangt, daß er ſich die Erlaubniß erwirken konnte, als Schreiber und Lehrer des göttlichen Geſetzes, verſehen mit außerordentlichen Vollmachten, neue Anſiedler aus Babylon nach Judäa zu führen, und dort an die Spitze der Gemeinde zu treten und die Angelegenheiten derſelben nach der Vorſchrift des Geſetzes zu ordnen. Gewiß um die Heimkehrenden nicht abzuſchrecken und vertrauend auf die Hilfe Gottes, verzichtete er auf ein königliches Geleite zu ſeinem Schutze. An ihn, den berühmten Schrift⸗ gelehrten, wandten ſich nun die Nationalgeſinnten in Paläſtina, die ſeine Ankunft zu dauerndem Aufenthalte in Jeruſalem gewiß mit Freude und neuer Hoffnung erfüllt haben muß. Mit Schmerz und Trauer nahm er die Verheerungen wahr, die in der jüdiſchen Gemeinde durch die Verbin⸗ dung mit den Heiden angerichtet wurden, und auf Anrathen eines Mannes aus dem Volke, mit Namen Sechanjah, beſchloß er mit äußerſter Strenge und Energie daran zu gehen, um dieſes Uebel zu entwurzeln und alle diejenigen aus der jüdiſchen Gemeinſchaft auszuſchließen, die ſich weigern ſollten, ſeine Befehle zu vollführen. Wenn ein Mann von ſolch hoher Einſicht und ſolch tiefer Erkenntniß wie Esra, eine ſo harte, gar nicht durch das Geſetz zu begründende, zudem noch mit den Erfahrungen der Geſchichte im Widerſpruch ſtehende Maßregel mit aller möglichen Strenge durchzuführen befliſſen war und ein großer Theil des Volkes ſich ihm willig fügte, obgleich ſie nichts weniger als eine völlige Durchbrechung der eng geknüpften Familienverhältniſſe bedeutete, ſo muß er gewiß nur einem Gebote der Zeit und der Vernunft gehorcht haben, das Milde hier als Sünde verdammte, Strenge als Tugend befahl. Doch durch dieſe verfügten Anordnungen, die mit aller Conſequenz durchgeführt wurden, lohte die alte Flamme des Haſſes vom Neuen wieder auf. Nicht nur bei einem Theile der Juden muß dieſe Härte auf den äußerſten Widerſtand geſtoßen ſein, ſondern die nächſte Folge davon war, daß die heidniſchen Proſelyten und Samaritaner zur Gewalt griffen, um ihre Zugehörigkeit zum Judenthume ſich zu erzwingen, die ihnen durch Esra mit ſolcher Entſchiedenheit abgeſprochen wurde. Die Mauern der Stadt Jeru⸗ ſalem wurden an vielen Seiten durchbrochen, viele Bauten zerſtört und nur der Tempel, in