Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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haben ſie, um in Zukunft ſolchen nie enden wollenden gehäſſigen Angriffen von Seiten ihrer Feinde zu entgehen, ſich mit ihnen häufiger verſchwägert, um ſich günſtigere Verhältniſſe zu ver⸗ ſchaffen, wodurch ſie freilich Gefahr liefen, völlig unter den Heiden und Samaritanern aufzugehen.

Selbſt Prieſter gingen Miſchehen ein und haben ſich über die Strenge des Geſetzes, PBeiduders im Bezug auf die Ammoniten und Moabiten, hinausgeſetzt.

Ein großer Theil der judäiſchen Bevölkerung jedoch konnte ſich mit einer ſolch milden Auf⸗ faſſung des Geſetzes nicht befreunden und hielt ſich ſtreng von jeder Verbindung mit den Heiden ferne, auch aus dem Grunde, weil die Reinheit der heiligen Sprache dadurch ſehr gefährdet wurde. Neben den Samaritanern, welche vom groben Götzendienſte weit entfernt waren, wohnten damals Nabatäer, ein Volk arabiſcher Herkunft, von denen uns noch im Talmud einzelne Sprachreſte erhalten ſind, Ammoniten und Moabiten, in Paläſtina. Das Heidenthum war durch Geſchem den Araber und durch Tobia den Ammoniten vertreten, welch letzterer i in verwandtſchaftlicher Beziehung zu angeſehenen und einflußreichen jüdiſchen Familien ſtand. Er ſelbſt nämlich hatte aus dem ange⸗ ſehenen Hauſe Arach eine Tochter zur Frau, und Meſchullam, Sohn Berechjah's, ein geachteter Mann, nahm keinen Anſtand, ſeine Tochter dem Sohne des Tobia zur Frau zu geben. An der Spitze der Samaritaner ſtand Sanballat von Bet⸗Horon, deſſen Tochter Nikaſo nebſt Manaſſe, dem Sohne des Hohenprieſters Jojada, mit Grund und Anlaß dazu geweſen, daß die Samaritaner, ſpäter ganz losgetrennt vom Judenthume, als ſelbſtändige Sekte aufgetreten ſind. Was übrigens die Frage der Miſchehen betrifft, ſo iſt es bemerkenswerth, daß Moſe eine kuſchitiſche Frau gehabt, daß Zipporah die Tochter des Heidenprieſters Jethro aus Midjan geweſen, und daß ſogar im Pentateuche Mirjam als deswegen beſtraft bezeichnet wird, weil ſie ſich darob tadelnd über ihren Bruder ausgeſprochen hatte. Auch die vielen Beiſpiele aus der Geſchichte des Volkes ſprachen für die Anſchauung, daß Miſchehen nicht unzuläſſig ſeien. Ruth war eine Proſelytin, die dem Juden⸗ thume zur Ehre gereichte und auf welche die Abſtammung aller Könige von Juda zurückgeführt wurde.

Das jüdiſche Volk war damals in einer mächtigen Gährung begriffen, aus der einerſeits der Phariſäismus, als deſſen erſten und mächtigſten Vertreter man Esra bezeichnen kann, der, ſelbſt zum Geſchlechte der Prieſter gehörend, dazu auserſehen und berufen war, die Macht derſelben zu brechen, indem er für die Zukunft das Judenthum nicht auf das Prieſterthum, ſondern auf das Gelehrtenthum, nicht auf den blinden Glauben, ſondern auf das lichte Wiſſen, nicht auf den todten Buchſtaben, ſondern auf den lebendigen Geiſt gründete und andererſeits der Sadducaeismus und Samaritanismus hervorging, welche beide inſofern ſich glichen, als ſie den entſchiedenſten Gegenſatz zum Phariſaeismus bildeten. Die Wurzeln zu jenen Parteien, die nachmals in ſo ſtrengen Gegenſatz und in ſo heftigen Widerſpruch zueinander traten, und während der verſchiedenſten Perioden der jüdiſchen Geſchichte ſo ſchroff ſich gegenüber ſtanden, wurden damals in das noch lockere Erdreich des jüdiſchen Geiſteslebens geſenkt. In der richtigen Erkenntniß und Erfaſſung der Bewegungen, die Israel um jene Zeit erfüllt haben, liegt der Schlüſſel zum Verſtändniß der Geſchichte des Judenthums, wie zu der der Entſtehung des Chriſtenthums, das aus ſeiner Mitte hervorgegangen iſt.

In Paläſtina waren jetzt durch die Vermiſchung mit den Heiden, unter Preisgebung der heiligſten Intereſſen des Judenthums, gewiß für den Augenblick günſtigere Verhältniſſe einge⸗ 2