Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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ſie eine abſchlägige Antwort, die Joſephus dahin ergänzt, daß ſie wohl mitbeten aber nicht mit⸗ bauen dürften.

So billig und gerecht die Forderung der Samaritaner auch einigermaßen erſcheinen konnte, ſo hatte ſie nicht minder ihre gefährliche Seite, die die Keime der neuen Colonie, anſtatt zum Wachsthume, zum völligen Hinſterben hätte bringen können. Die Colonie konnte den Schwerpunkt ihres Beſtandes, die Erfüllungen ihrer Hoffnungen nur in ihrer eigenen geſchloſſenen Einheit und Reinheit ſuchen und finden. Jedes Einſickern von Heidenthum mußte den neuen Bau des Judenthums unterwühlen und nach und nach als ein in ſich getragenes Gift zur unbedingten Vernichtung und Auflöſung führen. Eine Erfahrung, die noch zu friſch und zu lebendig in Aller Geiſte lebte, als daß ſie nicht das Volk zur äußerſten Vorſicht und Umſicht hätte ermahnen ſollen. Auf die königliche Verordnung beriefen ſich die Juden, was den Samaritanern einerſeits bedeuten ſollte, daß ſie nicht eigenmächtig berechtigt wären, die Erlaubniß auch auf Andere aus⸗ zudehnen, wodurch ihnen aber nicht minder Klarheit darüber werden ſollte, daß ſie ihre etwaigen Anklagen beim Könige nicht zu fürchten hätten. Jede Verbindung mit den Samaritanern konnte, da ſie vom Könige weder ausdrücklich angeordnet, noch ſonſt irgendwie beabſichtigt war, leicht einen verrätheriſchen Anſchein gewinnen, und dann wäre ja alle Hoffnung und Errungenſchaft mit einem Male zerſtört geweſen.

Die Feinde Judas und Benjamins, wie auch die Samaritaner genannt wurden, ſuchten in Folge deſſen die Juden auf alle nur mögliche Weiſe einzuſchüchtern und ſie an dem unter⸗ nommenen Tempelbau zu hindern; ſie bildeten in Gemeinſchaft mit den perſiſchen Beamten, die ſie für die Unterſtützung ihrer Pläne gewonnen, und mit den fremden in Paläſtina wohnenden Völkern eine mächtige Coalition gegen die Juden, die ſie noch zudem, ſoviel ihnen dies durch die Wohnungsverhältniſſe ermöglicht war, in eine gleichgültig kalte Stimmung gegen den Tempel⸗ bau zu bringen ſtrebten. Allerlei Verdächtigungen und Anklagen wider die Juden, gelangten nun an den perſiſchen Hof. Neben den Unabhängigkeitsgelüſten der Juden, die wieder, wie in früheren Zeiten, ein ſelbſtändiges Reich bilden wollten, wurden namentlich die Gefahren betont, die durch den Aufbau des Tempels der Staatskaſſe erwachſen könnten. Die Juden haben nun von ſelbſt, oder auf Befehl, wie Joſephus berichtet, den Tempelbau eingeſtellt, wodurch eine mehrjährige Unterbrechung in dem einmal begonnenen Werke eintrat.

Cyrus war zu ſehr im Kriege mit den Indern und Maſſageten verwickelt, als daß er die eingelaufenen Beſchwerdeſchriften einer eingehenden Unterſuchung hätte unterziehen laſſen können, und auch ſein Nachfolger Cambyſes mußte ſich den Kriegen mit den Aegyptern und Aethiopiern, mit Nubien und Karthago zu ſehr hingeben und hatte weder Zeit noch Ruhe, um ſich mit Gegeneingaben und Entkräftigungsbriefen gegen die eingebrachten Anklagen eingehend zu beſchäftigen. Erſt unter der Regierung des Darius Hyſtaspis, zu dem Serubabel in ſehr freundſchaftlichem Verhältniß geſtanden haben ſoll, und der als eifriger Anhänger der Zooraſter⸗Lehre ſich mit dem Judenthume, welches auch die Verbildlichung Gottes verpönte, gewiſſermaßen geiſtesverwandt fühlte, wurde wieder Hand an den Bau gelegt, wozu nicht wenig die Wirkſamkeit der beiden zeitgenöſſiſchen Propheten Chaggai und Zacharja beitrug, die unabläſſig, unerſchrocken immer wieder von Neuem das Volk unter Hinweis auf die Pracht der eigenen Paläſte und die Oede des Tempels, zu