Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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Kühner denn je erhob ſich die prophetiſche Macht, deren Herolde den untergehenden Tag der aſſy⸗ riſchen Größe und das Frühroth einer glückverheißenden Zeit für ihr Volk mit der ganzen Farbenpracht ihrer bilderreichen herz⸗ und geiſtergreifenden Sprache verkündeten, welche mit unwiderſtehlicher Gewalt den thatkräftigen König Joſia mit ſich fortriß und in ihm den Funken der Begeiſterung zur Flamme anfachte, die obwohl zerſtörend, vernichtend und niederreißeud eben gerade dadurch aufrichtend, erhaltend und umgeſtaltend auf das Leben des ganzen Volkes gewirkt hat. Jede Spur des Heidenthums wurde mit unnachſichtiger, ja man kann faſt ſagen blutiger Strenge ver⸗ tilgt, der alte Gottesdienſt in ſeiner Reinheit wieder hergeſtellt, die lange unterbliebene Paſſah⸗Feier, die den Gedanken der Freiheit und Selbſtändigkeit im Volke weckte, von Neuem wieder be⸗ gangen. Das Buch des Geſetzes, zerſtreut und verborgen im Tempelarchive, wurde ans Licht gebracht. Und immer wurde bei dieſen ſo tief eingreifenden Vorgängen auf die Reſte Israels Bedacht genommen.

Joſia ſelbſt zog über die Gränze Judas, vor ihm ſchwanden alle Götzenbilder und Götzen⸗ prieſter, die Beth⸗el Höhe wurde niedergebrannt und Alles, was an das Heidenthum erinnerte, ſchonungslos der Zerſtörung preisgegeben. Die Bewegung ſcheint der religiöſen Entwicklung der Samaritaner einen beträchtlichen Vorſprung, eine eigentlich judäiſche Richtung gegeben zu haben, inſofern als das Heidenthum, ſeiner Stätten und Stützen beraubt, immer mehr in den Hintergrund treten mußte.

Aus dem Zeitraume vom Tode Joſias bis zur Zerſtörung Jeruſalems verlautet über die Schickſale der Coloniſten im Zehnſtämmereiche gar nichts. Judäa lag in ſchweren Todeskämpfen, es arbeitete zu ſehr an dem eigenen Verfalle, als daß es den Angelegenheiten des nun ſich ſelbſt überlaſſenen oder unter babyloniſche Botmäßigkeit gerathenen Nachbarn ſeine Aufmerkſamkeit hätte zuwenden können.

Erſt nach der Vernichtung des jüdiſchen Staates taucht aus dem Schutte der Vergeſſenheit, unter dem die Geſchichte der Samaritaner in dieſer Periode verſunken iſt, eine Spur ihres Daſeins empor. 4

Nachdem Gedalja ben Ahikam von dem feilen Verräther Ismael ben Nethanjah ermordet worden und mit dem ſpärlichen Reſte der Judäer auch der letzte Schatten ihrer Selbſtändigkeit geſchwunden war, kamen achtzig Männer aus Sichem, Silo und Schomron klagend und trauernd, mit Weihrauch und Speiſeopfer verſehen, nach Jeruſalem. Sie wallfahrten alſo, von Schmerz erfüllt, zu jener Stätte, wo Gott gethront und theilten mit ihren Brüdern im Exile die heilige Wehmuth.

Eine ganz neue Wendung nahm die Geſchichte der Samaritaner ſeit der Rückkehr der Judäer aus dem babyloniſchen Exile, während welcher Zeit ſie wieder in ihren früheren verderblichen Götzendienſt zurückgefallen zu ſein ſcheinen, denn wurden ſie früher auf alle nur mögliche Weiſe zur Theilnahme herangezogen, ſo wurden ſie jetzt, zumal ſie mit den Feinden der Juden gemeinſame Sache machten und die Heimkehrenden in ihrer Thätigkeit und Wirkſamkeit ſtörten, von jeder Verbindung abgewieſen und ausgeſchloſſen.

Die Niederwerfung der babyloniſchen Macht durch Cyrus, war für die Juden ein vielverſprechen⸗ der Anfangs⸗ und Ausgangspunkt glücklicher Ereigniſſe. Jeremias Verheißung von der baldigen Rück⸗