Aufsatz 
Zur Geschichte und Literatur der Samaritaner
Entstehung
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In den Tagen des israelitiſchen Königs Menachem ben Gadi wurden zwar die Gefahren, die dem Zehnſtämmereiche durch den erſten Einfall der Aſſyrer unter ihrem Könige Phul drohten, durch die Leiſtung eines Tributes von tauſend Talenten Silbers etwa 7,800,000 Mark die als Steuer auf 60,000 durch Wohlſtand hervorragende Männer gleichmäßig vertheilt wurden, abgewendet, dem Lande dadurch Schonung und dem Könige Befeſtigung in der uſurpirten Macht erkauft, doch konnte es tiefblickenderen Geiſtern jener Zeit nicht entgehen, daß das Unglück, nur für den Augenblick beſeitigt, bald wieder deſto gefährlicher hervorbrechen müſſe.

Viel traurigere Folgen hatte denn auch in Wirklichkeit das zweite Anſtürmen der aſſyri⸗ ſchen Macht unter dem thatkräftigen Könige Tiglat⸗Pileſer, während der Regierung des is⸗ raelitiſchen Königs Pekach. Trotz des Bündniſſes mit Rezin, dem Könige von Syrien, und der Unterſtützung von Seiten anderer Nachbarvölker, konnte die Abſicht, einerſeits das Davidiſche Haus gänzlich zu vernichten und an Stelle des zu entthronenden Achas den gefügigen Ben Tobal in Juda als König einzuſetzen und andererſeits den Juda zu Hilfe eilenden Aſſyrer abzuwehren, nicht zur Verwirklichung gelangen, vielmehr wurde Israel in dieſem verhängnißvollen Kriege um mehr als die Hälfte ſeines Landes und ſeiner Bevölkerung vermindert, welche letzere in die Gefangenſchaft nach verſchiedenen Gegenden des großen aſſyriſchen Reiches geführt wurde.

Nach den eroberten Gebietstheilen kamen gewiß Aſſyrer und andere heidniſche Völker, wodurch die im Süden des Landes gebliebenen Israeliten noch mehr zum Götzendienſte verleitet wurden, zumal auch in Juda, dem Verbündeten Aſſyriens um jene Zeit, die Nachahmung aſſyriſchen Weſens in Sitte und Religion durch die Schwäche des Königs Achas und mehr noch durch die der dortigen Prieſter in erſchreckender Weiſe um ſich gegriffen und das Volk zu äußerſter Entartung gebracht hatte. Man ſah jetzt in Jeruſalem ſich einen Altar nach aſſyriſchem Muſter erheben, Roſſe und Wagen wurden dem Sonnengotte geweiht und mit Unterdrückung jeder menſchlichen Regung wurde ſogar von Achas ſelbſt eines ſeiner Kinder dem Moloch auf der Feuerſtätte im Thale Hinnom verbrannt.

Doch auch der dem Reiche Israel durch Tiglat⸗Pileſer gewordene Schlag, durch den es eigentlich ſchon zu Boden geworfen wurde, war nicht im Stande, die Bewohner des Landes aus ihrem Wahne und aus ihrer Bethörung zu wecken. Anſtatt ſich zu mannhafter That aufzuraffen, vertröſteten ſie ſich, in träger Ruhe und Sorgloſigkeit beharrend, auf beſſere Zeiten. Eitler Hochmuth wucherte aus der allgemeinen Fäulniß hervor und trieb ſeine giftigen Blüthen; dem Rauſche ergeben, ſahen die Adeligen Ephraims ihre nebelhaften Gebilde für Wirklichkeit an. Der Griffel der Geſchichte ſträubt ſich, alle damals verübten Gräuel niederzuſchreiben. Königsmord folgte auf Königsmord, bis endlich nach neunjährigem Interregnum Hoſea die verhängnißvolle Krone des israelitiſchen Kö⸗ nigthums auf ſein Haupt drückte. Wie es ſcheint, hatte Hoſea ohne vorherige Zuſtimmung des aſſy⸗ riſchen Königs ſich die Herrſchaft angemaßt glaubte er ſich doch als Mörder Pekachs dazu ermächtigt und dadurch denſelben gegen ſich gereizt, denn damals, als er kaum das Scepter über Israel ergriffen, fand der dritte und letzte Ueberfall der Aſſyrer unter Salmanaſſar in den noch übrig gebliebenen ſüdlichen Theil des Reiches ſtatt. Wohl ließ ſich der aſſyriſche König anfangs durch die Unterwürfigkeit Hoſeas und durch Geſchenke bewegen, den Rückzug anzutreten, doch als kaum nach ſeinem Abzuge Hoſea ſich verleiten ließ, den Tribut zu verweigern und ſogar