Aufsatz 
Schillers spätere Dramen im Lichte seiner ästhetisch-sittlichen Weltanschauung
Entstehung
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finden wir sie zu einer Einheit verbunden, so z. B. im»Wallenstein«, wo der Dichter uns das Los des Schönen auf der Erde vor Augen führt. Hierbei kommt sowohl seine Abneigung gegen die Wirklichkeit als auch seine Begeisterung für das Ideal zum Ausdruck.

Schillers sittliches Ideal, das er als sentimentalischer Dichter in seinen Meister- dramen darstellt, ist, wie wir gesehen haben, die»schöne Seele«, in der Pflicht und Neigung übereinstimmen. Im Unglück, das diese innere Harmonie aufhebt, muß sich die schöne Seele bewähren und in eine»erhabene« verwandeln. Diesen Übergang vom Schönen zum Erhabenen im sittlichen Handeln sehen wir bei Max und Thekla. Sie geben ihr Sinnenglück preis, um ihren Seelenfrieden zu bewahren, der auf einem reinen Gewissen beruht. Solch ein Verhalten ruft den Eindruck des Erhabenen hervor, weil es die Kraft und Selbständigkeit des Geistes gegenüber der Natur offenbart.

Der Begriff des Erhabenen spielt in Schillers Asthetik eine bedeutsame Rolle, da er aufs engste mit seiner ethischen Idee der Freiheit zusammenhängt. Das Erhabene ist gleichbedeutend mit der»energischen«, d. h. anspannenden Schönheit, die in den Briefen über die ästhetische Erziehung von der schmelzenden, d. h. abspannenden unterschieden wird. Das Schöne im engeren Sinne ist der ästhetische Ausdruck der Harmonie zwischen Geist und Natur, es versetzt das entweder durch die Sinnlichkeit oder durch die Vernunft angespannte Gemüt in den Zustand vollkommener Freiheit, bei dem jene beiden Seelenkräfte sich das Gleichgewicht halten und dadurch die Spannung aufheben. Das Erhabene ist das Symbol der Herrschaft des Geistes über die Natur, es erhebt den moralischen Menschen, indem es den physischen zu Boden drückt. Unter dem Eindruck des Schönen fühlen wir uns frei im Einklang mit der Natur, unter dem Eindruck des Erhabenen im Wider- streit mit der Natur. Das Erhabene befindet sich nicht draußen im Raume, sondern in uns selbst; denn es ist nichts anderes als das Gefühl unserer geistigen Freiheit; die Gegenstände, die dies erhebende Gefühl in uns wachrufen, nennen wir erhaben. Das Bewußtsein unserer Willensfreiheit wird nun gerade dadurch geweckt, daß unsere sinnliche Natur von Furcht und Schrecken ergriffen wird.

Den Begriff des Erhabenen verwendet Schiller zur Erklärung des Tragischen. Dieses ist ihm ein ethisches Phänomen. Die Unabhängigkeit unseres Geistes vom Naturzwange, auf der unsere moralische Bestimmung beruht, ist die Quelle der tragischen Lust. Das Tragische erhebt unsern Geist, indem es unsere sinnliche Natur niederdrückt. Der Anblick des tragischen Leidens erweckt unser Mitleid, und dieses Mitleiden erschüttert uns als physische Wesen, aber weckt zugleich das erhebende Gefühl unserer unverlierbaren geistigen Freiheit,»des Beharrlichen in unserem Busen«. Die tragische Lust ist also eine gemischte Empfindung des Leidens und der Freude am Leiden.

Das Tragische ist der Gegenstand der tragischen Kunst; diese stellt also das Erhabene dar, d. h. die selbständige Kraft des Geistes, die sich nur im Leiden