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wählen soll. Im Sturm der Leidenschaft schweigt sein natürliches Gefühl für das, was recht und gut ist:«Wo ist eine Stimme der Wahrheit, der ich folgen darf? Uns alle bewegt der Wunsch, die Leidenschaft.« Bei der Geliebten findet er, was er sucht. Ihr natürliches Empfinden ist die Stimme des Guten:»Hier auf dieses Herz, das unfehlbare, heilig reine, will ich's legen.« Die Entscheidung dieses Herzens gibt ihm seine innere Ruhe und Klarheit wieder.
Das Ideal der inneren Harmonie sehen wir ferner in der Jungfrau von Orleans verkörpert. Ohne inneres Schwanken verfolgt diese ihren Weg, die Idee des Guten stößt auf keinen Widerstand in ihrem reinen Herzen, sie wirkt in ihr wie ein Naturgesetz. Aber diese innere Einheit und Reinheit vermag sie sich nicht zu erhalten; Pflicht und Neigung, die bis dahin eins gewesen sind, trennen sich, und es bedarf schwerer innerer Kämpfe, bis Johanna die innere Harmonie wieder- erlangt. Der Fall dieser Heiligen veranschaulicht ebenso wie Max' und Theklas Untergang den Gegensatz zwischen Ideal und Wirklichkeit.»Das ist das Los des Schönen auf der Erde!« Dies Wort, das der Dichter der um den Tod ihres Geliebten trauernden Thekla in den Mund legt, kennzeichnet zugleich seine eigene elegische Stimmung, seine Trauer darüber, daß sein sittliches Ideal in der wirklichen Welt keine Stätte hat.
Neben der Satire und Elegie begegnet uns in Schillers späteren Dramen auch die Idylle, d. h.»die Darstellung unschuldiger und glücklicher Menschen«. Sie ist der Ausdruck der reinen, nicht durch den Gedanken an das wirkliche Leben getrübten Begeisterung für das Ideal. Idyllisch ist das Bild, das der Dichter von der Heimat Johannas entwirft. In der Einfachheit, Zurückgezogenheit und Stille des ländlichen Lebens, im engsten Verkehr mit der sich stets gleichbleibenden Natur bleibt das schlichte Hirtenmädchen unschuldig und glücklich und erfährt nichts von inneren Kämpfen. Nach diesem Paradies des Glückes und der Unschuld sehnt sich die gefeierte Heldin zurück, nachdem sie durch die Berührung mit der großen Welt, die voller Glanz, aber auch voller Versuchungen ist, ihre reine Seele befleckt und ihren Frieden verloren hat:
Da ich die Herde trieb auf unsern Höhen, Da war ich glücklich wie im Paradies.— Kann ich's nicht wieder sein, nicht wieder werden?«
Idyllisch ist auch die Darstellung des reinen Glückes, das Max und Thekla in ihrer ersten Liebe empfinden und das noch nicht durch den Gedanken an drohende Gefahren und Kämpfe getrübt wird. Idyllisch ist vor allem die Stimmung im»Wilhelm Tell«. Hier wird uns ein ganzes Volk vor Augen geführt, das im engsten Zusammenhang mit einer großen Natur lebt und, unberührt von den schädigenden Einflüssen der Kultur, die natürliche Unschuld und das hiermit verbundene Glück bewahrt hat.
Die der sentimentalischen Poesie eigenen Stimmungselemente, das satirische, elegische und idyllische, lassen sich nicht immer scharf von einander sondern; oft


